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Messiah Messiah ist männlich   Zeige Messiah auf Karte
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Dabei seit: 22.07.2003
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cool Erinnerungen Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden        Zum Anfang der Seite springen

Tja, langsam komme auch ich in ein alter, wo man sich gerne mal dran erinnert, was früher einmal war. Deshalb:


Wir haben es tatsächlich geschafft.
Kaum zu glauben, aber es ist so.
Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, speziell was der Gesetzgeber und die Bürokraten, die Medien und die Informationsgesellschaft uns täglich vorbeten und verbieten, müssten wir alle, die in den Sechzigern bis Anfang der Achtziger aufgewachsen sind, längst tot sein.

Unsere Kinderbetten waren mit bleihaltigen Farben bemalt und Formaldehyd sickerte aus jeder Pore. Ganz zu schweigen vom Tapetenleim, dem Kleber des Linoleums oder den PVC-Dämpfen des Stragula. Wasserfeste Filzstifte hatten Ausdünstungen die benebelten, und wer erinnert sich noch an den leicht salzigen Geschmack des abzuleckenden Tintenkillers? Steckdosen, Medizinflaschen, Schranktüren und Schubladen waren noch nicht kindersicher.

Messer, Gabel, Schere und Licht wurden uns zwar verboten, aber meistens mussten wir uns erst einmal daran verletzten, um es zu glauben. Unsere Fahrräder, Roller und Rollschuhe fuhren wir ohne Schützer und Helme. Die Risiken, per Anhalter in den nächsten Ort zu fahren, waren uns unbekannt!

Zum Thema Auto erinnere ich mich weder an einen Sicherheitsgurt, noch an Airbags, Kopfstützen, ABS oder ähnliche Sicherheitsvorrichtungen im Wagen meines Vaters. Man saß zwar hinten, aber an einem heißen Sommertag gab es doch nichts schöneres, als seinen Kopf aus dem Fenster (das man damals noch komplett runterkurbeln konnte) des fahrenden Autos zu stecken und sich den Fahrtwind ins Gesicht blasen zu lassen, dass man kaum noch Luft bekam.

Wasser haben wir direkt aus dem Gartenschlauch getrunken und nicht aus einer Flasche. Wahnsinn! Wir aßen fettigeSchmalznudeln und frischgebackenes Brot mit fingerdick Butter drauf, dazu gab es überzuckerte Limonaden oder künstlich gefärbtes TriTop. Zu fett geworden sind wir deswegen nie(das kam erst später mit dem Wohlstand), weil wir immer draußen waren.

Wir haben zu fünft aus einer Limoflasche getrunken, und es ist tatsächlich keiner daran gestorben. Wir haben stunden- und tagelang an Seifenkisten oder ähnlichen Gefährten geschraubt, die wir aus rostigem Schrott und splitterigem Holz konstruiert hatten. Dann sind wir den Hügel damit runtergebrettert, nur um festzustellen, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Nachdem wir ein paar Mal in der Böschung gelandet waren, haben wir gelernt auch dieses Problem zu lösen.

Wir gingen in der Früh raus und haben den ganzen Tag gespielt, höchstens unterbrochen von Essenspausen und kamen erst wieder rein, als es dunkel wurde und man den Fußball nicht mehr richtig sehen konnte. Wir waren nicht zu erreichen. Keine Handys!

Wenn es regnete spielten wir bei Freunden Monopoly oder Mensch argere dich nicht, Mühle oder Dame und bauten mit Matchbox Autos ganze Städte auf. Wir hatten weder Playstations oder Nintendo, X-Boxen oder Videospiele, keine PCs, keine 50 Fernsehkanäle oder Surround Anlagen.

Ins Kino zu gehen war ein Ereignis, für das man sich herausputzte und das einem vor Vorfreude den Magen kribbeln ließ. Es gab noch Vorfilme, die immer eine Überraschung waren, weil keiner wusste was zu erwarten war und wenn zufällig ein Donald Duck oder Micky Maus Film dabei war, hatte man das ganz große Los gezogen. Wir hatten Freunde! Wir gingen raus und haben uns diese Freunde gesucht. Wir haben Fußball gespielt mit allem, was sich kicken ließ und wenn einer einen echten Lederball hatte, war er der King und durfte immer mitspielen, egal wie schlecht er war. Um im Verein mitspielen zu dürfen, gab es Aufnahmeprüfungen, die nicht jeder bestanden hat. Wer es nicht geschafft hat, lernte, mit der Enttäuschung umzugehen.

Wir spielten Völkerball bis zum Umfallen und manchmal tat es weh, wenn man abgeworfen wurde. Wir sind von Bäumen und Mauern gestürzt, haben uns geschnitten, aufgeschürft und haben uns Knochen gebrochen und Zähne ausgeschlagen. Wir hatten Unfälle! Es waren einfach Unfälle, an denen wir Schuld waren. Es gab niemanden, den man dafür verantwortlich halten konnte und vielleicht sogar noch vor den Kadi zerrte.

Wer erinnert sich noch an Unfälle? Unsere Knie und Knöchel waren von Frühjahr bis Herbst lädiert und ein Schienbein ohne blaue Flecke gab es nicht. Wenn wir uns an Brennnesseln gebrannt haben, oder uns eine Mücke gestochen hatte, haben wir entweder drauf gespuckt, oder den Nachbars Hund drüber lecken lassen oder drauf gepinkelt. Geholfen hat alles.

Wir haben gestritten und gerauft, uns gegenseitig grün und blau geprügelt und gelernt, damit zu leben und darüber weg zu kommen. Wir haben Spiele erfunden mit Stöcken und Bällen, haben mit Ästen gefochten und Würmer gegessen. Und obwohl es uns immer wieder prophezeit wurde, haben wir uns kaum ein Auge ausgestochen und die Würmer haben auch nicht in uns überlebt. Wir sind zu einem Freund geradelt, haben an der Tür geläutet und sind dort geblieben, nur um mit ihm zu reden. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere, also haben sie eine Klasse wiederholt. Sie sind nicht durchgefallen, sondern wurden von den Lehrern einfach zurückgestuft. Zensuren bei Proben wurden nie manipuliert, egal aus was für Gründen. Wir waren für unsere Aktionen selbst verantwortlich. Konsequenzen waren immer zu erwarten, wenn wir Scheiße gebaut hatten. Der Gedanke, dass ein Elternteil uns rausklopft, wenn wir mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, war undenkbar. Im Gegenteil, die Eltern stellten sich auf die Seite des Gesetzes. Man stelle sich das einmal vor!

Unsere Generation hat einige der größten Erfinder hervorgebracht. Die letzten 50 Jahre waren eine wahre Explosion an Innovationen und Ideen. Wir hatten Freiheit und Zwang, Erfolg und Misserfolg, Verantwortung und Konsequenz. Und wir haben gelernt damit umzugehen. Erinnere Dich daran, wie Du aufgewachsen bist und Du wirst sehen, was unseren Kindern heute fehlt. Als die Eltern einmal ein Auge zudrückten, anstatt die Kinder mit übergroßer Vorsicht zu erdrücken. Unsere Eltern trauten uns zu, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Meistens hat es geklappt. Die paar Mal, die daneben gingen, zählen wir zu unseren Lebenserfahrungen.


Zur Erinnerung an die Zeit, als Kinder noch Kinder waren
und noch keine Anwälte mit Schadensersatzklagen und Regierungen
mit kinderfeindlicher Politik unseren Alltag bestimmten.


Tja, that's it! ...wollte ich nur mal loswerden...

Messiah

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Thou shalt not alter the consciousness of thy fellow men.
Thou shalt not prevent thy fellow man from altering his or her own consciousness.



16.01.2004 13:10 Messiah ist offline Beiträge von Messiah suchen Nehmen Sie Messiah in Ihre Freundesliste auf Fügen Sie Messiah in Ihre Kontaktliste ein
Scully Scully ist weiblich
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Wie wahr, wie wahr.....

Ich habe gestern schon Deinen Beitrag gelesen, hatte da aber nicht die Zeit ebenfalls zu schreiben.
In vielerlei Hinsicht musste ich schmunzeln......es kam mir so bekannt vor.....

Plötzlich hatte ich wieder diesen Geschmack von Tintenkillern auf meiner Zunge und Völkerball habe ich geliebt. Im Sommer haben wir unsere Spielfelder auf die Strasse gemalt und Ewigkeiten gespielt.
Ich weiß noch , als mein Vater mir zum ersten Mal sagte, dass ich mich im Auto nun anschallen sollte.....

Wir wohnen direkt am wald und haben dort fast jeden Tag gespielt, oder in den Kuhlen, die fast an unserem Haus liegen. Haben uns Hütten gebaut und "geangelt".
Passiert ist uns nie etwas.

Aber auf der anderen Seite sehe ich mich nun als Mutter, und mir würden sich meine Nackenhaare sträuben, wenn Sophie mit drei Jahren mit etwas älteren Kindern in den Kuhlenstücken spielen würde......nicht auszudenken, was da alles passieren könnte.

Das es heutzutage Kindersitze für´s Auto und Fahrrad gibt, oder gar die Fahrradhelme finde ich ganz gut. Schließlich hat sich die Verkehrssituation in den letzten zwanzig Jahren sehr verändert, auch hier bei uns auf dem Land.
Aber ich bin froh, dass Sophie fast so aufwachsen kann wie ich :
Viel Natur, fast keine Autos in unserer Strasse ( nur Trecker) , und wenn sie morgens aus dem Fenster guckt , sieht sie nur Wald und Wiesen ( und unsere zwei alten Pferde).
Auch sie wird später höchstwahrscheinlich ihren Schulweg durch unseren Wald haben und ihn vielleicht genauso genießen wie ich es immer tat. Vielleicht wird auch sie zu spät zum Unterricht kommen, weil ein paar Kühe ausgerissen sind ( die den Weg versperren ) oder weil der Strum Bäume quer über den Weg gefegt hat.

Ach, seufz......wie gerne wäre ich noch einmal Kind....

__________________
Als du auf die Welt kamst, weintest du, und um dich herum freuten sich alle. Lebe so, daß, wenn du die Welt verläßt, alle weinen und du lächelst.
17.01.2004 19:31 Scully ist offline E-Mail an Scully senden Beiträge von Scully suchen Nehmen Sie Scully in Ihre Freundesliste auf
data-morgana data-morgana ist männlich   Zeige data-morgana auf Karte
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also meinereiner wohnt ja nen stück außerhalb von bankfurt! bin also auch eher ländlich aufgewachsen. kenne also dieses gefühl in den sommerferien morgens ausm haus und erst wieder heim als es dunkel war. den ganzen tag am main rumgetobt oder im wald. mit den "guten" fahrrädern quer durchs gemüse gefahren, in brennesseln fallen, oder einfach so auf die schnauze fallen und den sommer mit nem haufen schrammen zu verbringen.

@messiah: danke für diese erinnerungen....

cya
data

__________________
"Ich denke, es ist eine der größten Ungerechtigkeiten der Welt, daß die Ramones tot sind und die Rolling Stones immer noch leben. Es gibt keine Gerechtigkeit!"
Rob Wright - Nomeansno

18.01.2004 20:33 data-morgana ist offline E-Mail an data-morgana senden Beiträge von data-morgana suchen Nehmen Sie data-morgana in Ihre Freundesliste auf Fügen Sie data-morgana in Ihre Kontaktliste ein
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