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kein abschied |
Vollkrach
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wer kennt eigentlich noch "glatzte des willens" ?
die lps "El Baladro Y Su Barullo" und "?Que Dice El Oso?
" sind einfach genial.ich hab mir die alten dinger mal wieder rausgekramt und die alte liebe wieder entdeckt.
info: A pre-Calva Y Nada-band with Brenal and Thule, who later
composed sound collages under the name "Hum Projimo"
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19.08.2003 15:32 |
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Vollkrach
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da meine beschreibungen eh immer für´n arsch sind, hab ich mal im netz geschaut.....
HUM PRÓJIMO... Irren ist menschlich ...
Bevor auf die Musik von HUM PRÓJIMO ausführlich eingegangen wird, einige Informationen zu Wolfgang Leba, dem Kopf von HUM PRÓJIMO:
1988 kam die erste Platte unter dem Namen GLATZE DES WILLENS in Zusammenarbeit mit Breñal, der später Calva y Nada gründete, heraus. Es folgte 1989 eine weitere Platte, und nach der Auflösung der Gruppe produzierte Wolfgang vier Alben als HUM PRÓJIMO, wovon die letzte "Alpenglüh'n: Songs From Murmi" im September 1995 erschien. Danach konzentrierte sich der studierte Architekt auf die Komposition von Theatermusik. Auszüge aus seiner Arbeit zu einer "Othello"-Inszenierung in Hamburg sind auf der 1997 aufgenommenen CD "Formule Express" zu hören, die Wolfgang unter seinem Namen LEBA veröffentlichte.
Zu der Zeit mit Glatze des Willens und Breñal sagt Wolfgang: "Glatze des Willens war eine postpubertäre Sache aus Trotz zum Auskotzen. Aber als ernst daraus wurde, tendierte Glatze des Willens zu diesem Klischee, das von Breñals Gesang und der Rhythmik ausging. Mein Teil dabei war, das Detail, die Harmonie und das Abstruse in die Musik einzubringen. So ergab sich eine Diskrepanz, wo wir uns gegenseitig nicht mehr akzeptieren konnten. Breñal verfiel noch mehr in dieses "schwarze", "tanzbare" und "maskenartige" Klischee, das für mich am Leben vorbeischrammt, und die Trennung war unvermeidlich. Ich wollte mir neue Möglichkeiten schaffen, wollte herausfinden, mit was ich alles musizieren kann."
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19.08.2003 15:56 |
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Vollkrach
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Heute schreibt und macht Wolfgang die Musik zum größten Teil alleine. Warum es notwendig ist, alleine die Musik zu schreiben, wird später noch klar. Wolfgang meint hierzu: "Ich würde schon mit jemandem zusammenarbeiten, aber es ist schwer, jemanden in meinem Stadium zu finden, den ich einerseits ernst nehmen kann, und der sich andererseits selber nicht zu ernst nimmt. Wenn sich die Leute zu ernst nehmen, meinen sie, es geht nur ums Berühmtwerden und ums große Geld machen, und wenn es ihnen wirklich um die eigentliche Sache geht, nehmen sie sich nicht ernst genug, und können die Konsequenzen nicht tragen bzw. die nötige Konzentration nicht aufbringen, um die Sache mit Stärke hinzubekommen. Dann muß es auch noch persönlich stimmen; Es sind einfach zu viele Komponenten, die hier zusammenwirken."
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19.08.2003 15:56 |
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Vollkrach
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Nun zur eigentlichen Musik: Wenn man HUM PRÓJIMO das erste Mal hört, ergibt sich eine Irritation, die einen regelrecht dazu zwingt, sich mehr auf die Musik einzulassen. Man spürt den Drang, die Klänge fassen zu müssen und das Erfaßte zu begreifen. Doch, was man behält, ist nur ein Bewußtsein von Zwiespältigkeit und Gegensätzlichkeit. Um sich aus diesem Gefangensein zu lösen, versucht man also das Gehörte zu formalisieren und zu analysieren, auch wenn man Gefahr läuft, damit einen Teil der Musik kaputt zu machen, und daß man nur auf eine Formalisierung zurückgreifen muß, weil man es gewöhnlicherweise gewöhnt ist, die gewöhnliche Musik zumindest als solche zu verstehen. Wo liegen also die Gegensätze, die Verbindungen und Zwiespältigkeiten, die einen in eine solche Irritation führen:
Als erstes fällt die Verwendung von Geräuschen auf. Geräusche, verstanden als Nicht-Musik. Geräusche, die man ständig im Alltag hört, auf die man reagiert und die man nicht als eine Sinnlichkeit im wörtlichen Sinne versteht. Im Gegensatz dazu die Musik, die man sofort als solche anhand von Melodien, Rhythmen usw. erkennt. Unter einem solchen Geräusche-Musik-Verständnis relativiert sich die Verbindung beider Elemente in eines, die Musik als solches und die Geräusche als solches. Wolfgang hierzu: "Mir geht es gerade darum, daß ich auf all jenes lenke, was wir alltäglich hören, und uns nicht mehr darauf einlassen. Heutzutage ist viel zu viel an Geräuschen, Farben usw. vorhanden. Ich sehe das Spannende darin, auf das Kleine und Unbemerkte aufmerksam zu machen, und die Geräusche in einen anderen Zusammenhang zu bringen, und es dadurch ins Absurde zu führen."
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19.08.2003 15:56 |
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Vollkrach
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Achtet man nun weiter auf die Musik, die man zwar eindeutig an Instrumenten wie Klavier, Akkordeon, Schlagzeug usw. erkennt, erfaßt man sie trotzdem nicht als solche. Wenn man meint, eine gewisse Struktur erkannt zu haben, die man bei einer solchen Instrumentenwahl gewohnt ist, wird diese sofort wieder zerstört und verfällt in eine unerkennbare Komplexität. Die Orientierungspunkte, die bei populärer Musik vorhanden sind, werden ständig verneint. Wolfgang: "Ich orientiere mich nicht an diesem populären Musikquatsch, der leicht zu kalkulieren, leicht zu konsumieren und leicht zu verstehen ist. Mir ist es fremd, darüber nachzudenken, wie ich solche Funktionen in der Musik wie Strophe, Refrain, Harmoniefolgen oder bestimmte Rhythmiken einsetzen kann; und wenn, dann versuche ich mich dem zu widersetzen oder es zu karikieren. Wenn ich etwas höre, sehe ich keine Verbindungen oder Konstruktionen. Ich laß es einfach auf mich wirken, so bleibt bei mir nichts hängen, und ich kann vorbehaltlos meine Musik machen. Da ich ja aus dem Geräusch und der Improvisation heraus arbeite, ergeben sich solche Strukturen erst gar nicht. Wobei ich jetzt merke, daß es wieder interessant wird, die Musik vorwegzudenken und sich das Improvisieren fast schon wieder ausgeschöpft hat."
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19.08.2003 15:57 |
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Vollkrach
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Achtet man weiter auf die textliche Thematik, die in unterschiedlichsten Weisen wie Sprache, Stimme oder auch gar nicht in der Musik zur Geltung kommen, werden in abstrakter Lyrik elementare Fragen und Beschreibungen nach Sein, Zeit und Lebenskampf aufgenommen. Die Darstellungen dieser in ihrer Form beinhalten aber eine ständige Ironie nach einer solchen Fragestellung überhaupt und nach einer möglichen Antwort derer. Allein das Assoziative in den Bildern und der Zweifel an den Fragen oder Beschreibungen gelten als solche. Die Frage oder Beschreibung selber findet sich in einem Nichts, das hier aber als ästhetisch empfunden wird. Wolfgang: "Es zählt, die Fragen aufzuwerfen und sensibel darauf zu machen, aber keine Antworten zu geben, da es keine verbindlichen Antworten gibt. Ich kratze nur an der Oberfläche. Ich stelle nur ironisierend dar. Ironie heißt ja sich selber in Frage zu stellen, und das ist das, was heute in der Welt fehlt: Selbstzweifel und Ironie."
Versucht man nun die bisherigen formalen Ergebnisse als ein Gesamtbild beschreiben zu wollen, sieht man, daß eine Verfremdung von Elementen beständig in der Musik wirkt. Elemente wie Geräusche, die man aus dem Alltag kennt, Musik in ihrer Struktur, die man von der herkömmlichen Popmusik kennt, metaphysische Fragen nach Sinn usw., die sich sicher jeder schon gestellt hat, werden zwar erkannt, aber durch die Verbindung dieser Elemente, und ihrer ständigen Selbstironie nicht als solche verstanden. Diese dialektische Struktur, wie sie im traditionell literarischen Sinn gebraucht wird, des Verstehens bzw. Erkennens - nicht Verstehens bzw. Verfremdens oder in einen anderen Zusammenhang bringen - und das daraus folgende Verstehen, spiegelt sich ganz deutlich bei HUM PRÓJIMO, so wie es hier analysiert wurde; nur mit dem Unterschied, daß das folgende Verstehen nicht eintritt. Anstattdessen folgt dieses Gesamtbild der Irritation. Irritation nun, im Sinne eines Verstehens des Nicht-Verstehens der Musik. Es ergibt sich also eine Gesamtsphäre der ästhetischen Irritation, wobei ein Sein nur als assoziativ gilt, aber es trotzdem wert ist über alles zu lachen.
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19.08.2003 15:57 |
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Vollkrach
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Wolfgang: "Ja, ich stehe natürlich bei einer solchen Interpretation voll dahinter, aber es wäre falsch, dies als mein Programm zu bezeichnen. Dies ist absolut nicht als solches vorweggedacht. Das alles bin einfach ich, und nicht mein Programm. Es ist mein persönlicher Ausdruck, das Detail oder das Bekannte zu verwenden um mich darin wohl zu fühlen und in den Klängen zuhause zu sein. So geht es mir bei allem, daß ich nicht den eigentlichen Sinn in etwas sehe, sondern mein eigenes Bild dazu tue. Das Ergebnis dabei ist dann eben das, wie du es interpretierst, und das bestätigt meinen Ansatz, daß andere das auch so sehen können. D. h. sie müssen sich nicht auf die Musik auf eine solche Weise einlassen, und können die Musik auch einfach als eine Collage oder Kulisse mit Überraschungseffekten sehen."
Kann sich also jeder in die Musik hineinreimen, was er will? "Es könnte auch jemand kommen und alles anders interpretieren, und es würde genauso passen wie deine Interpretation. Das ist ja gerade das Schöne daran, daß es viele Interpretationsmöglichkeiten gibt, weil jeder seine eigenen Erfahrungen miteinbringt, und gerade durch die starken Eigenerfahrungen das Bild sich erst ergibt, und nicht wie bei populärer Musik, wo es nur eine Deutung gibt, und es nicht auf die Eigenerfahrungen ankommt."
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19.08.2003 15:57 |
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Vollkrach
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Wo wäre der Ansatz für eine andere Interpretationsmöglichkeit? "Schwierig. Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich bin ja nicht unbelastet. Die Reaktionen sind eben diese, daß man am Anfang überfordert ist, und bei mehrmaligem Hören alles klarer wird, das Puzzle sich zusammensetzt und immer spannender wird, da man auf weiteres noch Unvorhergesehenes stoßen kann. Man kann nicht sagen, daß irgendein bestimmtes Gesamtbild von meiner Musik ausgeht. Die Musik, auch wenn man ein Gesamtbild erkennen zu können meint, bin einfach nur ich. Ich könnte eine bestimmte Sache schon darstellen, wenn ich konstruierter an die Sache rangehen würde, und nicht improvisieren würde. Dann hätte ich allerdings die Angst, zu sehr belastet zu sein, daß das Ganze zu sehr urteilen würde. So mache ich einfach, ohne Hintergedanken. Das Musizieren wäre dann auch nichts Erlösendes mehr, hätte keine Überraschungen mehr, hätte für mich nichts Fallendes mehr, und wäre nur ein Handwerken. Insofern bin ich auch kein Musiker als viel mehr ein Ausdrückender."
Ich will nun absolut nicht das letzte Wort haben, nur um irgendwelche Mißverständnisse aufklären zu wollen, die sich in einem solchen Fall sowieso ergeben. So ende ich mit der letzten Frage an Wolfgang. Soll sich darauf jeder reinreimen, was er will:
Was heißt HUM PRÓJIMO?
"Irren ist menschlich"
quelle:http://www.glasnost.com/label/hum/1404biox.htm
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19.08.2003 15:58 |
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