Wir haben festgestellt, dass Sie noch nicht auf Dreamwhile registriert sind. Um dies zu tun klicken Sie bitte hier. Sollten Sie bereits registriert sein loggen Sie sich bitte ein!

Dreamwhile - Die schwarze Community

RegistrierungTeammitgliederKalenderZur LinklisteZur GalerieIRC ChatSucheHäufig gestellte FragenZum Forum

Dreamwhile - Die schwarze Community » Musik » Neues aus der Musikszene » Massive Attack - Interview » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag Druckvorschau | An Freund senden | Thema zu Favoriten hinzufügen
Neues Thema erstellenAntwort erstellen
Zum Ende der Seite springen Massive Attack - Interview
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
Messiah Messiah ist männlich   Zeige Messiah auf Karte
Moderator


images/avatars/avatar-34.jpg

Dabei seit: 22.07.2003
Beiträge: 1.793
Herkunft: South of Germany

Massive Attack - Interview Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden        Zum Anfang der Seite springen

Auch wenn es nicht wirklich zu unserer Szene passt, so denke ich doch, dass dieses Interview dennoch hier veröffentlicht werden sollte. Wer mit "Massive Attack" nix anfangen kann, darf an dieser Stelle den "Zurück-button" seines Browsers betätigen.

Dieses Interview wurde von Virgin Music herausgegeben. Robert Del Naja und Neil Davidge geben einige Interna ihrer langen Bandgeschichte preis und plaudern über Platten, Videos und ihr nächstes Album "Weather Underground". Viel Spaß damit!

Zitat:

Zur Titelauswahl auf "Collected"

D: Nostalgie ist schon ein ziemlich starkes Gefühl, stimmt´s? Normalerweise wird dieses durch Gerüche oder Musik ausgelöst. Musik und Gerüche sind halt die beiden Dinge, die in einem das Gefühl auslösen können, man wäre wieder in einer längst vergangenen Zeit... Genau das ist doch, was die Kraft von Musik ausmacht, nämlich, dass sie einen dazu befähigt, sich zurück in die Vergangenheit zu versetzen. Bei der jetzt vorliegenden CD war es allerdings letztlich so, dass wir gewissermaßen als Ausgleich auch über unsere Zukunft nachdachten, und dann als Gegengewicht zur ersten CD, die ja angeblich all das zusammenfasst, was wir in den letzen 15 Jahren erreicht haben, eine zweite CD mit Outtakes und unveröffentlichtem Material zusammengestellt haben. Die größte Mühe haben wir also darauf verwendet, diese zweite CD zusammenzustellen, diese Rohfassungen, Remixe, schrägen Kollaborationen und Stücke aus Filmsoundtracks auszugraben, welche sich die Leute sonst vermutlich kaum anhören würden, und aus diesem Material eine CD zusammenzustellen, die so klingt, als ob sie das genaue Gegenteil der ersten CD wäre. Es ging also letztlich weniger um Nostalgie, als darum, diese zweite CD zu veröffentlichen. Ich meine, heutzutage kann doch jeder seine eigene Best-Of-Liste von jeder gewünschten Band erstellen. Wenn sich jemand z.B. also für unser älteres Material interessiert, dann kann er sich ja problemlos eine eigene Playlist zusammenstellen und diese dann den anderen Playlists hinzufügen. Und diese Zusammenstellung muss ja keine chronologische sein, sondern kann sich durchaus danach richten, welche Reihenfolge dir an dem bestimmten Nachmittag als die angenehmste erscheint.

G: Wir haben halt Tracks, die schon 15 Jahre alt sind, mit solchen kombiniert, die noch ganz neu sind.

D: Um ganz ehrlich zu sein, hatten wir die Qual der Wahl zwischen zwei Stücken, die sich auf Grund ihrer tollen Intros als Albumopener anboten. Das eine war „Safe From Hell“ und das andere war „Angel“. Und die Überlegung war: „O.k., welches der beiden Stück hat das beste Intro? „Safe From Harm“ – alles klar.” Viel mehr Überlegungen gab es da nicht. Grundlage unserer Entscheidungen waren eher musikalische Gesichtspunkte, Diplomatie spielt da kaum eine Rolle. Es ging bei der Titelauswahl vor allem darum, wie die Songs zueinander passen, wie sich das Intro des einen Tracks mit dem Outro der vorhergehenden verträgt, es ging um den Effekt, den Musik hat, und darum, was wir als nächstes tun werden. Das entspricht in gewisser Weise den Überlegungen, die man bei der Zusammenstellung von Live-Sets anstellt, da geht es auch um Dynamik und solche Sachen. Natürlich gibt es bestimmte Kriterien bei einer solchen Auswahl, um bestimmte Songs von bestimmten Alben kommt man einfach nicht herum, oder man musste bestimmte Alben irgendwie auch repräsentieren. Ich habe ziemlich viel Zeit auf unserer Website verbracht, habe mir da die Meinungen der Leute im Forum durchgelesen, und dabei festgestellt, dass da jeder hinsichtlich der Titelauswahl seine ganz eigenen Vorstellungen hatte. Und irgendwann kommt man dann zu der Erkenntnis, dass es völlig unmöglich ist, alle und jeden zufrieden zu stellen.

Zum neuen Material

D: Viele Leute werden fragen, warum wir überhaupt eine Compilation, also eine Anthologie veröffentlichen? Der Grund ist der, dass wir dadurch Zeit gewinnen, in der wir weiter an unserem nächsten Album arbeiten können, und das auf die Art und Weise, die uns gefällt. Hinzu kommt, dass uns diese Compilation auch die Möglichkeit eröffnete, die beiden Songs „Live With Me“ und „False Flags“ zu veröffentlichen. Bei diesen handelt es sich nämlich um Stücke, die schon seit einiger Zeit fertig geschrieben waren. Sie standen im Regal und hätten da vermutlich auch noch ein weiteres Jahr gestanden. Der Grund dafür ist der, dass wir uns nicht ganz sicher waren – und das auch immer noch nicht sind – wie unser nächstes Album klingen wird. Die Platte entwickelt sich momentan in die unterschiedlichsten Richtungen, wir sind uns nicht sicher, was genau dabei herauskommen und wie das letztlich klingen wird. Und diese beiden Stücke hätten so einfach nur rumgelegen und Staub angesetzt...
„Live With Me“ war ursprünglich ein Stück für einen Film-Soundtrack, an dem ich zusammen mit Neil Davidge arbeitete. Bei diesem Streifen handelte es sich um eine britische Independent-Produktion, und der Soundtrack hatte ein durchgehendes Jazz-/Blues-Thema. Was auch der Grund dafür war, dass wir uns mit Terry Callier in Verbindung setzten. Für uns war es auch interessant, nach „100th Window“, „Danny The Dog“ und „Bullet Boy“ wieder an so einem Projekt beteiligt zu sein, einfach, weil es sich hier um einen ganz anderen Sound und ganz andere Bezüge handelte. Außerdem hatten wir so etwas ja schon eine ganze Weile nicht mehr gemacht. Terry kam zu uns ins Studio, wir haben ein paar Sachen am Klavier ausprobiert, haben ein paar Stücke geschrieben, diese dann weiterentwickelt. Die haben wir Terry dann geschickt, er kam zu uns ins Studio, und dann ging alles ganz flott. Und dann wurde der Film gar nicht gedreht, die gesamte Produktion wurde abgesagt, also landeten diese beiden Stücke im Regal, und da lagen sie dann.
Bei „False Flags“ war es ähnlich. Diese Stück haben wir ungefähr zu der Zeit geschrieben, als in Frankreich die Unruhen ausbrachen. Auch dieses Stück lag also auf Halde. Nun ist gerade diese Nummer sehr geprägt durch die Zeit, in der sie entstanden ist, und wir dachten, dass sie, wenn sie weiter nur so im Regal herumliegt, in ein oder zwei Jahren nicht mehr die Relevanz haben würde, die sie jetzt noch hat. Es ging bei der Compilation also einerseits darum, Zeit zu gewinnen und in Ruhe arbeiten zu können, zugleich ergab sich dadurch aber auch die Möglichkeit, schon jetzt zwei neue Tracks zu veröffentlichen, und daraus entwickelte sich dann die Idee zur zweiten CD, auf der wir dann Demo-Versionen und alle möglichen anderen Sachen veröffentlichen konnten, welche die Leute sonst vermutlich nie zu hören bekommen hätten. Es gibt da halt eine Reihe von Tracks, die die Leute kennen, zumindest die meisten, oder vielleicht auch nur einige, was weiß ich, und dann gibt es daneben auch jede Menge Material, das bisher noch niemand gehört hat. Und dann gibt es Tracks, die besonders darüber Auskunft geben, wie wir Musik machen, wie wir Songs schreiben, und die verdeutlichen, warum wir diese oder jene Entscheidung getroffen haben. Bei manchen Songs ist es ja so, dass man erst am letzten Tag im Studio eine Entscheidung trifft, und diese kann dann in die eine oder in die andere Richtung gehen. Hier bestand nun die Möglichkeit, die Hintergründe für solche Entscheidungen etwas zu beleuchten. Wir konnten zeigen, wie unsere Songs beginnen und wie sie sich mit der Zeit entwickeln. Indem man rohe, unfertige Versionen veröffentlicht, macht man sich ja auch angreifbar. Man setzt sich der Gefahr aus, dass die Leute diese Dinge auseinandernehmen und sagen: „Was für ein Scheiß!“, und ich finde das gar nicht so schlecht.
Nimm z.B. den Track „Silent Spring“ - dabei handelt es sich um eine Zusammenarbeit mit Elizabeth (Fraser). Das ist ein unvollendetes Stück und es kann durchaus sein, dass wir dieses nie fertig stellen werden, und gerade deswegen waren wir beide so froh darüber, dass Liz uns erlaubte, diese Rohfassung zu veröffentlichen. Klar, wir haben die Nummer noch ein wenig abgemischt, haben den Sound noch ein wenig aufpoliert, aber letztlich handelt es sich dabei doch um eine Demo-Aufnahme. Es ist ein Stück in einer ganz neuen Sprache, es hat eigentlich keinen richtigen Text, aber es klingt ganz wundervoll, es vermittelt so ein Art wunderbares Wohlgefühl. Und dass Liz Fraser uns erlaubt hat, dass in dieser Fassung zu veröffentlichen, finde ich ausgesprochen mutig von ihr.
Dieses Stück war gewissermaßen die logische Fortsetzung der Art und Weise, in der wir auch die beiden neuesten Stücke (auf dem Album) angegangen sind. Bei diesen handelt es sich gewissermaßen um Moment-Aufnahmen. Einfache Akustik-Nummern, mit nur wenig Gesang, die wir dann im Studio nur noch ein wenig aufpoliert und arrangiert haben. Aber es war beileibe nicht so, dass wir sie noch einmal aufwändig bearbeitet hätten, wir haben vielmehr... bei „100th Window“ haben wir immer nur ganz kleine Schritte gemacht, es ging um Komplexität und Schichten, all die Sachen halt, die zur damaligen Zeit wichtig waren. Hier war der Ansatz nun ein völlig anderer, fast gegensätzlicher. „Live With Me“ geht so in Richtung Jazz-Blues, was einerseits eine Reaktion auf die Dinge war, die damals passiert sind. Bei „100th Window“ herrschte eine ausgesprochen kalte Arbeitsatmosphäre, wir haben ganz alleine gearbeitet, ohne jede Hilfe von außen. Und daher haben wir uns diesmal für eine eher offene Art der Zusammenarbeit entschieden, für eine einfachere, schnellere und irgendwie natürlichere Arbeitsweise, und das ist dann, was dabei letztlich herausgekommen ist. Und wie der Zufall es will, scheint das den Leuten zu gefallen, sie sowohl emotional als auch intellektuell anzusprechen, und das ist schon ein großer Erfolg.

G: Mir wurde erzählt, dass im manchen Rezensionen wohl gestanden hat, wir hätten so „wieder zu alter Form zurückgefunden“, was ich als Einschätzung ein wenig eigenartig finde...

D: Und auch ein wenig beunruhigend, weil es ja impliziert, dass wir in den letzten Jahren in einem Formtief gesteckt hätten. (Gelächter)

Die Alben

D: Weißt du, ...ich glaube ... dass wir von „Mezzanine“ deutlich mehr verkauft haben als von „Blue Lines“. Obwohl „Blue Lines“ immer wieder als „unser bedeutendstes Werk“ (in Anführungszeichen) bezeichnet wird, ist „Mezzanine“ das, welches unter kommerziellen Gesichtspunkten am besten angenommen wurde, ist also in dieser Hinsicht unser beliebtestes Album. „100th Window“ und „Protection“ haben sich in etwa gleich gut verkauft. Letztlich kann man sagen, dass die Verkaufszahlen der einzelnen Alben nicht wirklich ein klares Bild davon wiedergeben, wie die Leute diese Platten einschätzen und welche Wertigkeit sie haben. Allerdings unterscheiden sich alle unser Alben auch ganz deutlich voneinander, oder?

Die Stimmung der Zeit einfangen

D: Wir haben uns alle immer für die Art von Musik interessiert, die melancholisch, traurig und (dadurch) wundervoll ist, die Dinge also, von denen auch der Blues handelt. Wenn diese Musik dann auch das widerspiegelt, was zur jeweiligen Zeit in der Welt und auch im persönlichen Bereich geschieht, dann möchte man sich halt gerne diesem Gefühl (der Melancholie) hingeben, sich darin wälzen, um es dann letztlich auch zu überwinden. Nun ist es ja offensichtlich, dass es zuletzt in der Welt deutlich düsterer geworden ist. Man hat uns ja schon immer vorgeworfen, wir würden uns eher für düstere Dinge interessieren bzw. mit solchen beschäftigen. In meinem Fall ist es aber so, dass ich Blues, traurige Musik im Allgemeinen und überhaupt alles, was die Dinge widerspiegelt, die um einen herum passieren, als etwas empfinde, was mich aufbaut. Mir gibt solche Musik Kraft. Ich meine, wenn ich z.B. in den Nachrichten mitkriege, dass wieder irgendwo die Kacke am dampfen ist oder irgendwelche Katastrophen passiert sind, ich dann umschalte und als nächstes so einen fröhlichen 3-Minuten-Jingle höre, das finde ich dann wirklich finster, weil ich mir dabei denke: “He, das hat doch mit der Realität und mit dem, was gerade in der Welt passiert, gar nichts zu tun!“ Solche Sachen machen mir dann eher Angst, weil sie von der Wirklichkeit ablenken und das ergibt für mich keinen Sinn. Das wirkt auf mich so, als ob man die Leute absichtlich von der Realität ablenken will, und das finde ich dann erst recht schlimm. Meiner Meinung nach stellt Blues und traurige Musik insgesamt eine Art Verbindung zu den Dingen dar, die tatsächlich passieren. Wir leben ja im Informationszeitalter, wo man jeden Tag mit einer Unmenge an Nachrichten bombardiert wird, das macht es schwierig, zu diesen Dingen eine Beziehung aufzubauen. Ich finde es daher toll, dass die Leute, die das Forum auf unserer Website nutzen, sich sehr für politische Themen interessieren und ausgesprochen gut informiert sind. Obwohl die meisten von ihnen einer deutlich jüngeren Generation (als wir) angehören, wissen sie doch bestens Bescheid, was in der Welt passiert. Ich halte das für ausgesprochen wichtig.


Prominenz und Verantwortung

D: Ich glaube nicht, dass wir selbst uns als Promis betrachten. Gut, die Band ist „berühmt“, und unsere Musik in gewisser Weise auch, aber wir selbst als Privatpersonen sind nie so richtige Promis geworden, sondern alle ziemlich auf dem Teppich geblieben. Bristol ist eine eher bodenständige Stadt, wenn wir nach Hause kommen, interessiert es da niemanden, ob wir berühmt sind oder nicht, und das ist auch gut so. Andererseits empfinden wir (auf Grund unseres Bekanntheitsgrades) eine gewisse Verpflichtung, uns einzumischen, Stellung zu beziehen, und die Möglichkeiten, die wir haben, dazu zu nutzen, bestimmte Ängste zu thematisieren. Das ist auch der Grund dafür, dass wir mit Organisationen wie Amnesty International, Greenpeace, CND oder Stop The War (um nur einige zu nennen) zusammenarbeiten. Diese in ihrer politischen Arbeit zu unterstützen, ist uns wichtiger, als für uns diese Art Mythos von hochpolitischen Persönlichkeiten aufzubauen. Weißt du, wir sind nur Musiker, ganz normale Menschen, wir arbeiten mit Organisationen zusammen, die sich mit Dingen beschäftigen, die uns wichtig erscheinen... Und dann geht es auch darum, ein Gleichgewicht herzustellen zwischen unserer Musik und der Möglichkeit, mit dieser der Wirklichkeit zu entfliehen, und den Dingen, die tatsächlich in der Welt passieren. Allein der Umstand, dass sowohl unser erstes als auch unser letztes Album gewissermaßen von Golfkriegen „eingerahmt“ wurde, und angesichts der andauernd gespannten Lage im Nahen und Mittleren Osten und der Tatsache, dass wir Briten stets in diese Dinge verwickelt waren – das beschäftigt uns schon sehr. Ich meine, diese Demonstrationen gegen den Krieg (am Golf) hatten ja nichts damit zu tun, dass wir so naiv waren, zu glauben, wir könnten diesen wirklich verhindern. Aber als Menschen – weniger als Band oder als Prominente – haben wir halt die Pflicht, (uns einzumischen).

Zur Zusammenarbeit mit Liz Frazer, Tracey Thorn, Horace Andy, Sinnead O´Connor

D: Normalerweise ist es bei Kollaborationen so, dass wir diese über drei, vier Tracks ausdehnen und schauen, was dabei passiert. Das ist so wie bei Schiffen, die sich in der Nacht begegnen. Wenn die Arbeit vorbei ist, setzt jeder seine Reise fort und macht sein eigenes Ding, wenn du weißt, was ich meine. Bei Elizabeth kam es dann so, dass sie nach Bristol zog, wir dann auch Freunde wurden, und wir irgendwann das Gefühl hatten, dass aus unserer Zusammenarbeit noch viel mehr herauszuholen wäre. Ich meine, Elizabeth ist halt einzigartig, eine Art wandelndes Instrument. Sie spricht ihre eigene Sprache, hat ihren eigenen, unverwechselbaren Klang. Das ist etwas, was man nicht kopieren, was man nicht kaufen kann, und was man auch nirgends sonst erhält.

G: Das Tolle an unserer Band ist, dass wir uns immer die Leute aussuchen konnten, mit denen wir arbeiten wollten. Leute, die wir früher beobachtet und bewundert haben – und die haben wir uns dann ins Studio geholt. Leute wie Liz und Horace Andy, bei denen man tief im Unterbewusstsein ein Ahnung hat, dass da irgendetwas passieren würde. Man weiß halt, dass, wenn man Leute wie Tracey (Thorn) oder Liz einbezieht, diese die eigene Musik ergänzen und die eigenen Ideen auf eine höhere Stufe heben können. Das ist das Tolle an der Zusammenarbeit mit Leuten wie etwa Sinead (O´Connor). Wir haben immer davon geträumt, vielleicht eines Taqes mit ihr ins Studio gehen und arbeiten zu können. Und das Resultat dieser Zusammenarbeit ist der Beweis dafür, dass es da eine Übereinstimmung der Gedanken, eine Seelenverwandtschaft gibt, was ich für eine gute Sache halte. Vielleicht dauerte diese ja nur fünf oder zehn Minuten, aber wir haben die Verbindung hergestellt.

D: So war das mit allen Frauen, mit denen bisher zusammengearbeitet haben. Sinead O´Connor ist eine Gesamtpersönlichkeit. Wir wollten mit ihr arbeiten, weil sie so ist, wie sie ist, und weil sie in ihren Songs und allem, was sie tut, das Gefühl totaler Überzeugung vermittelt, was ich für sehr wichtig halte. Ihre Überzeugungen und ihre Persönlichkeit sind ebenso wichtig wie ihre wundervolle Stimme und ihre Songs. Wir haben immer versucht, mit Leuten zu arbeiten, die diese innere Kraft haben, diese Mischung aus großem Talent und starker Persönlichkeit. Inzwischen findet man diese Leute häufiger. Die Musikindustrie ändert sich, man besinnt sich wieder auf diese Art von Talenten, auf echte Menschen, Singer/Songwriter. Vielleicht gibt es momentan eine Menge Sachen, für die sich momentan kaum einer interessiert, wie etwa unsere politischen Ansichten. Aber es ist immer noch besser, so etwas zu machen als Dinge, die überhaupt keine Persönlichkeit mehr ausstrahlen, und die sich komplett unecht anfühlen.

Zur Zusammenarbeit mit Shara Nelson

G: Wir kannten Shara aus einem Reggae-Projekt, das wir gemeinsam mit Adrian Sherwood und Mark Stewart gemacht haben. Ihre Stimme war so großartig, wir wussten sofort, dass wir mit ihr arbeiten wollten und Adrian hat uns das erlaubt...

D: Den Ausschlag gab aber die Arbeit mit The Wild Bunch. Da haben wir mit Shara auch schon eine Single gemacht...

G: Mein Gott, ja, na klar...

D: Das war „The Look Of Love“. Und es war wohl auch das erste Mal, dass Leute, die alle von einem Soundsystem kamen, zusammen ins Studio gegangen sind und sich mit Studiotechnik vertraut machten. Die Originalmitglieder Nellie und Milo waren auch mit dabei. Die Arbeit mit Shara bei „Look Of Love“, das war vermutlich einer der Schlüsselmomente für die Entstehung dieses „Bristol Sounds“, und in gewisser Weise auch wegweisend für Produktionsmethode, die sich dann in den 90ern durchsetzte. Es war alles sehr roh und ungeschliffen, die Beats, der Bass...

G: Irgendwie nackt, oder?

D: Nackt, wenn du weißt, was ich meine. Einfach nur Bass, Beats und Gesang, und verantwortlich für diese Art der Produktion war Miles. Diese Produktion hat dann Einfluss auf so ziemlich alle gehabt, von Tim Simenon über Bomb The Bass, Smith & Mighty und Portishead bis zu uns und alle anderen, die nach uns kamen. Und das führte dann wiederum zur Verbindung von R&B und Hiphop. Da wird halt einfach ein Song über einen Beat gelegt, ohne dass man sich groß Gedanken darüber macht, um welche Art von Musik es sich dabei handelt.

Zur Zusammenarbeit mit Tricky

D: Tricky und ich haben zusammen gewohnt. Wir sind beide Wassermänner, und sind beide Egozentriker, wenn nicht gar Egomanen...

G: Nein, nein...

D: Genau wie du, Alter. Du weißt genau, wie man solche Leute erkennt...

G: Oh ja, das weiß ich. (Gelächter)

D: Die Arbeit mit ihm hat großen Spaß gemacht. Tricky ist ein Mensch mit großer Persönlichkeit... Er ist wahnsinnig komisch, sehr direkt, er beschäftigt einen. Er weiß, wie man mit dem Publikum umgeht, und er ist ein sehr schlauer Typ. Er stieß ja erst relativ spät zu The Wild Bunch, da waren wir schon vier oder fünf Leute, alles sehr starke Charaktere, sehr, sehr streitlustig und auch streitsüchtig. Aber er hat sich ganz gut gehalten, oder?

G: Ja, wenn man bedenkt, wie wir ihn tyrannisiert haben.

D: Wie du ihn tyrannisiert hast...

G: Du hast ihn tyrannisiert...

D: Nein, du! Ich hab ihn nicht tyrannisiert, ich habe mit ihm zusammengewohnt.

Zur Zusammenarbeit mit Nicolette (bei "Sly")

D: Die Zusammenarbeit mit Nicolette war sehr interessant. Sie war wieder eine andere Sorte Frau, sehr stark. Da waren also drei oder vier Kerle in einem Raum, alle total davon überzeugt, alles richtig zu machen, auf dem richtigen Weg zum richtigen Ziel zu sein. Dann holt man da jemanden von außen dazu, weil man will, dass der-/diejenige seine/ihre Interpretation abliefert. Und dann denkt man: „Wow, Moment mal, das ist doch vielleicht ein wenig zu heftig?!“ Nicolette ist eine sehr starke Persönlichkeit, sie hatte dieses gewisse Etwas, und die Arbeit mit ihr hat großen Spaß gemacht. Ich glaube, ihr gefiel diese Art von Gruppendynamik. Schlimmes Wort, ich weiß, aber genau so läuft das halt.

Zur Zusammenarbeit mit Debbie Clare (bei "Joy Luck Club")

D: Wir kommen mit ziemlich vielen Leuten in Kontakt, was auch gut so ist und auch sehr spannend. Das Hauptproblem ist dabei, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Man lebt halt in seiner eigenen Welt, man hört ständig neue Dinge und da fällt es schwer, sich auf etwas... Nun, es geht halt um diese Art von Alchemie, wenn du die richtige Position hast und jemand auf dich zukommt, wenn du verstehst, worum es ihm/ihr geht und er/sie versteht, worum es dir geht, du genügend Zeit hast und alles perfekt zusammenpasst. Meist hat man doch genügend eigenes Zeug am Hals, und bei den anderen ist es ebenso, und das macht sich dann halt auch bemerkbar. Debbie Clare ist toll. Sie singt in einer sehr coolen Band aus Brighton namens Oom. Debbie ist ein wirklich netter Mensch, und sie hat eine ganz wundervolle Stimme, irgendwas in der Mitte zwischen Indie und Oper, oder Oper und Indie, so was wie indische Oper. Aber nicht dieses Bombay –Ding, wenn du weiß, was ich meine.

Zur Zusammenarbeit mit Madonna

D: Das Schräge bei diesem Stück ist, dass wir es sicher sieben, acht Jahre nicht mehr gehört haben... Klang ein wenig mach diesem D´Angelo-Zeug, was toll war. So eine Art guter Funk, der aber so klang, als ob man mit den anderen im gleichen Raum (gewesen) wäre, wenn du weißt was ich meine. Der Produktionssaufwand bei diesem Track war natürlich enorm, trotzdem gibt es da diesen angenehm knirschenden Bass und Beat, dazu diese bellenden Hunde und alle die anderen Sachen, die noch dazu kamen. Und dann natürlich Madge, die diesen Marvin Gaye-Song ausgesprochen gut, um nicht zu sagen wunderbar interpretiert. Sie hat diese Sache sehr ernst genommen... Jeder der Beteiligten an diesem Album wollte etwas ganz Besonderes leisten, einfach weil es sich bei diesem Album um eine Hommage (an Marvin Gaye) handelte, und das allen sehr viel bedeutete. Es war ein tolles Projekt. Sehr amerikanisch... du weiß schon, so eine typische USA-Geschichte, mit einer Unmenge von Rechtsanwälten und Produzenten, die alle irgendwie an der Sache beteiligt waren. Als wir dann die Liste mit den Namen der Beteiligten zusammenstellen wollten, tauchten da plötzlich um die 50 Namen auf, die da alle als Co-Produzenten aufgeführt werden sollten. Worauf wir meinten: „Sorry Alter, aber das geht nun wirklich nicht...“

Die Videos...

D: Alle unsere bisherigen Videoregisseure waren tolle Geschichtenerzähler. Angefangen bei Baillie Walsh, der war halt der Erste, und alle seine Videos, von „Daydreaming“ bis hin zu „Be Thankful For What You´ve Got“, haben kleine Geschichten erzählt. Kleine Abenteuer, kleine Lebenskapitel. Auf mich wirkte das immer so, als ob man irgendwelche Szenen aus Filmen genommen hätte, und wir zitieren ja auch ständig Filme. Und dann hatten wir das Glück, dass jeder der Regisseure, mit denen wir nach Baillie gearbeitet haben, diesen als Gradmesser genommen und versucht hat, ähnlich gute Arbeit wie er abzuliefern. Und dass sich so eine Art Kommunikation (mit all diesen Leuten) entwickelt hat, was auch bis heute geblieben ist. Es ist auch toll, jetzt wieder mit Jonathan Glazer zu arbeiten. „Karmakoma“ war ja damals das erste Mal, dass er ein Musikvideo gemacht hat. Jetzt wieder mit ihm arbeiten zu können, nachdem er zwei phantastische Filme gedreht hat und es dabei geschafft hat, großartige Schauspieler zu hervorragenden Leistungen zu bewegen, war schon ein großes Privileg.

Video zu „Live With Me“

Bei diesem Stück handelt es sich ja um eine Art moderner Blues-Nummer. Jonathan Glazer stand wirklich sehr auf diesen Song und darauf, was dieser ausdrückt, und daher wollte er im dazugehörigen Video etwas Ähnliches erreichen. Er thematisierte die Kultur des Alkoholismus, wie sie in bestimmten Gruppen in Großbritannien zu finden ist. Es ging ihm dabei aber nicht darum, eine Art Studie eines Alkoholikers anzufertigen, also eine Person zu präsentieren, die ständig breit und ein menschliches Wrack ist. Er wollte jemanden zeigen, der kurz vor dem Absturz steht, und immer wieder abstürzt. Es geht also darum, dass Menschen andauernd, also täglich, ihre inneren Dämonen bekämpfen, und dass sie sich, um dieser Situation zu entfliehen, bis zur Besinnungslosigkeit betrinken. Ich finde, dass er das in diesem Video sehr gut rübergebracht hat, was ich, so wie die Story insgesamt, ganz phantastisch finde. Jedes Mal, wenn ich mir das Video anschaue, bin ich ergriffen und gleichzeitig gefesselt. Man sieht zwar immer nur eine Person, aber das wirkt nicht wie eine Abfolge von Einstellungen, sondern man wird halt nicht durch irgendwelche Einfälle, Produkte, Orte oder Personen abgelenkt. Man sieht da nur diese eine Person und wie sich diese in den Vollrausch säuft. Das Ende ist ein Ort irgendwo zwischen Himmel und Hölle, ich finde das großartig. Es ist wie beim dazugehörigen Song, der in einem den Wunsch auslöst, jemanden zu packen und zu küssen und mit dieser Person zusammen zu sein. Dieses Video wiederum weckt in einem den Wunsch, für diese Frau da zu sein, ihr zu helfen. Man ist weniger abgestoßen oder angeekelt, man ist auch nicht wütend oder verärgert über ihre Handlungsweise. Gut, es mag Leute geben, die so etwas wütend macht, aber ich finde, dass diese die Sache völlig missverstehen. Ich meine, wenn sie diese Sache wütend macht, dann stimmt irgendetwas mit ihnen nicht. Denn eigentlich weckt dieses Video doch eigentlich den Wunsch, dieser Person die Hand zu reichen, und mehr kann man sich von einem wundervollen Lied nicht wünschen.

.........


__________________
Thou shalt not alter the consciousness of thy fellow men.
Thou shalt not prevent thy fellow man from altering his or her own consciousness.



05.04.2006 22:27 Messiah ist offline Beiträge von Messiah suchen Nehmen Sie Messiah in Ihre Freundesliste auf Fügen Sie Messiah in Ihre Kontaktliste ein
Messiah Messiah ist männlich   Zeige Messiah auf Karte
Moderator


images/avatars/avatar-34.jpg

Dabei seit: 22.07.2003
Beiträge: 1.793
Herkunft: South of Germany

Themenstarter Thema begonnen von Messiah
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden        Zum Anfang der Seite springen

Zitat:

.......

Video zu „Live With Me“ pp

D: Der Ausgangspunkt war der, dass wir bei diesem Video nicht mit einer (professionellen) Schauspielerin arbeiten wollten. Es war von Anfang an klar, dass wir nicht eine Schauspielerin verpflichten wollten, die dann dieses „Besoffen sein“ nur spielt, weil das einfach nicht geht, weil es unmöglich ist. Weil das dann halt immer nur gespielt ist. Die Frau im Video hat also gespielt, und das auch sehr gut, gleichzeitig aber auch wirklich getrunken. Was man im Video sieht, ist also völlig echt. Und genau das war auch unsere Idee, nämlich dieses Erlebnis, wenn sich jemand bis zum Filmriss besäuft, auf Film festzuhalten, bis zum bitteren Ende. Es ist eine Erfahrung, die wir alle schon gemacht haben, was wir alle in der Gruppe oder im Freundeskreis immer wieder tun. Das Störende und Beunruhigende an dem Video war, dass darin explizit beleuchtet wurde, wie manche Leute sich ganz allein wegdröhnen. Genau dieser Aspekt sollte im Video verdeutlicht werden. Was auch dran liegt, dass der Song ein sehr persönlicher ist, und wie dieser ein starkes persönliches Gefühl ausdrückt und eine starke persönliche Botschaft vermittelt. Genau das sollte in diesem Video auch besonders hervorgehoben und vermittelt werden. Das war sicher eine äußerst schwere Aufgabe, aber Jon hat diese bewältigt.

Video zu „False Flags“

D: Paul Gore hat die Regie geführt. Das Video ist mehr oder weniger das Portrait einer Person, die so in die Enge getrieben wird, dass sie letztlich mit Gewalt reagiert und eine Brandbombe wirft. Das alles ist mit Extrem-Zeitlupe gefilmt, es sind fast schon stehende Bilder und die sind ausgesprochen schön, traurig und auch sehr aktuell.

Video zu „Unfinished Sympathy“

G: Ich erinnere mich noch dran, dass wir damals das Gefühl hatten, dass das ein bahnbrechendes Video werden würde. Bahnbrechend insofern, als es in diesem Video keinerlei Schnitte gibt. Und für uns als Band war diese Arbeit insofern wegweisend, als wir damals irgendwo in Amerika mit diesem großartigen Regisseur Baillie Walsh ein Video drehten. Wir hatten damals alle das Gefühl, an etwas sehr Interessantem beteiligt zu sein.

D: Die Idee eines durchgehenden Videos ohne Schnitte, das ist etwas, was viele Filmemacher fasziniert. Das hat natürlich mit Orson Wells und der Eröffnungsszene von „A Touch Of Evil“ („Im Zeichen des Bösen“, USA 1958) zu tun. Ein Video, in dem es keinerlei Schnitte gibt, das muss halt einfach genial sein. Baillie war ganz sicher dieser Ansicht. Dass er so etwas auch probieren wollte und das auch frech zugab, ist natürlich schon ein Akt der Unverschämtheit.

G: Ich erinnere mich auch an den Versuch von Richard Ashcroft, mit eben diesem Stilmittel zu arbeiten, was ich damals urkomisch fand. Ich habe das inzwischen noch ein paar Mal... eigentlich zig mal gesehen.

D: Regie beim Video zu „Bitter Sweet Symphonie“ hat ja damals Walter Stern geführt, mit dem wir dann später selbst drei Videos gemacht haben. Klar war das damals ziemlich frech von ihm (so bei uns zu klauen), aber auf angenehme Weise frech.

„Blue Lines“

D: Wir waren damals ein paar Leute, die zu einem Soundsystem gehörten und eigentlich Partys organisierten, und dann fanden wir uns plötzlich in einem Studio wieder. „Blue Lines“ war das Ergebnis einer ganzen Reihe von Zufällen und (unerwarteten) Ereignissen. Als die Platte fertig war, dachten wir damals: „Wow, jetzt haben wir es tatsächlich geschafft, unsere Vergangenheit und Gegenwart einzufangen, wir haben uns als Persönlichkeiten voll in dieses Projekt eingebracht, die Platte klingt einzigartig, aber vielleicht war es das jetzt? Vielleicht sollten wir jetzt, wo das Projekt erfolgreich abgeschlossen ist, einen Schlussstrich ziehen?“ Wir hatten keinen Schimmer, was als Nächstes kommen würde und was wir, nachdem wir einen Plattenvertrag unterschrieben hatten, machen sollten. Unsere Entwicklung als Band war nie das Resultat strategischer Überlegungen, anderseits haben wir aber immer versucht, uns mit jeder neuen Arbeit von der vorangegangenen abzugrenzen. Ich glaube, wir haben von Anfang an, also schon auf „Blue Lines“, deutlich gemacht, worum es uns eigentlich ging. Unsere Bezugsquellen lagen natürlich ganz klar im Hiphop, dazu kam natürlich diese Reggae-Sache... dazu kam die Art und Weise, wie wir Musik machten, nämlich mit Samples usw... und dann kam die Zeit, in der DJs dazu übergingen, selbst in Studios Musik zu produzieren, und genau darum ging es auch uns. Allerdings haben wir uns nie der Dance-Szene zugehörig gefühlt, was vor allem damit zusammenhing, dass unsere Musik eine ganz andere Geschwindigkeit hatte als die Sachen, die damals in den Clubs liefen, insofern hatten wir auch nie das Gefühl, zu dieser Szene zu gehören. Das hatte natürlich mit dem zu tun, was damals in Bristol passierte. Portishead, Tricky, Smith & Mighty und Ronnie Size, all diese Leute sind das Ergebnis einer bestimmten Periode in Bristol. Sie alle sind so etwa zur gleichen Zeit groß geworden, so gegen Ende der 70er, als Punk zu Ende ging und sind dann über New Wave und diese Reggae-Dub-Ska-Sache beim Hiphop und Elektro gelandet. Das waren damals schon sehr aufregende Zeiten.

„Unfinished Smpathy“

G: Was denn? Hör auf, mich zu pieksen, Alter!

D: Ich kann einfach nicht aufhören...

G: Er piekst mich ständig, um sicher zu sein, dass ich noch wach bin.

D: Stimmt, ich habe da so ein fürchterliches Gefühl... ich höre den Klang meiner Stimme, die in diesem leeren Raum widerhallt...

G: Mit diesem Stück verbinden sich nach wie vor große Gefühle und Erinnerungen. Wir waren in den Abbey Road Studios, mit einem 30-köpfigen Orchester. Wenn ich heute zurückschaue und mir diese Tracks betrachte, dann waren diese Aufnahmen damals schon eine großartige Sache. Ich meine, dass wir das alles geschafft haben, dass wir mit gewissen Musikern und Leuten arbeiten und diese Videos und all diese Sachen machen konnten, das war schon toll. Auch in der Rückbetrachtung erzeugt das in mir immer noch ein warmes Gefühl. Es gab da diese tolle Wechselwirkung zwischen uns (in der Band) und anderen Leuten. Das hat damals gut geklappt und das ist bis heute so geblieben.

D: Das Eigenartige an „Unfinished Sympathy“ ist, dass wir dabei nicht krampfhaft versucht haben, diesen wundervollen Song – oder als was auch immer man das auch bezeichnen mag – zusammenzubauen. Die Nummer ist vielmehr das Ergebnis der Dekonstruktion eines anderen Songs, der ursprünglich auf den drei klassischen Elementen im Songwriting basierte, also aus Strophe, Bridge und Refrain bestand. Wir haben dann letztlich nur die Hälfte des ursprünglichen Songs verwendet. Und dann haben wir Will Malone damit betraut, das Streicherarrangement zu erarbeiteten, diese riesige, anschwellende Passage. Was einfach daran lag, dass, nachdem wir den kompletten Refrain gestrichen hatten, da plötzlich genügend Raum für dieses Streicherarrangement war. Diesen Raum gibt es in (Pop-)Songs ja normalerweise nicht, da sind die Möglichkeiten eher begrenzt, und durch diesen Eingriff bekam der Song diese gewisse Weite, konnte sich plötzlich frei bewegen, und genau das macht seine Stärke aus. Überhaupt war es bei fast allen unserer Songs, die man inzwischen gerne als Klassiker bezeichnet, so, dass diese das Ergebnis ganz simpler, unorthodoxer Herangehensweisen waren. Meist haben wir einfach fertige Songstrukturen auseinandergepflückt und dann festgestellt: „He, das klingt ja super!“
Und im Gegensatz dazu sind die Songs, an denen wir Tage, Wochen und Monate herumfeilen dann in der Regel die, mit denen wir nie so richtig warm werden.

„Safe From Harm“

D: Bei “Safe From Harm” haben wir ein Sample aus Billy Cobhams Album “Spectrum” verarbeitet. Man kann, wenn man so ein Sample verwendet, eigentlich gar nichts falsch machen. Ich meine, da ist ja schon alles vorhanden, das funktioniert selbst als reiner Loop, ohne jeglichen Gesang oder irgendwelche anderen Sounds. Sobald man den Loop fertig hat und sich diesen anhört, weiß man, dass das funktioniert und dass es total groovt. Und das spiegelt exakt wider, was damals musikalisch angesagt war. Man hat einfach vier Takte von einem anderen Stück genommen, also geklaut, diese geloopt, und dann ohne Rücksicht auf irgendwelche Regeln einen Song darauf aufgebaut hat, eben so, wie ein DJ daraus einen Beat entwickelt. Genau das war es, worum es damals ging... und dieser Track steht daher ganz exemplarisch für den damaligen musikalischen Zeitgeist.

„Risingson“

D: „Risingson“ war ein komischer Track, was daran lag, dass er irgendwie „ausgearbeiteter“ war als die anderen Ideen auf „Mezzanine“. Wir wollten damals im Sommer auf Tour gehen, wollten sozusagen live auf der Bühne beweisen, dass wir als Band eine Berechtigung haben. Und da dachten wir uns: „Wenn wir so etwas schon tun, dann müssen wir da auch etwas (Besonderes) bieten oder zumindest versuchen, das zu tun.“ Dieser Track vermittelt irgendwie den Eindruck, dass da etwas Interessantes passierte. Wir haben ihn auf eine ganz bestimmte Art entwickelt, und natürlich hatte das noch mit der Arbeitsweise zu tun, die wir auf „Protection“ gewählt hatten. Rückwirkend betrachtet, glaube ich, dass uns das damals so nicht bewusst war. Wir waren damals auch sehr mit unsrem (bandeigenen) Label Melankolik beschäftigt, das hat damals ein wirklich große Rolle für uns gespielt. Durch das Label sind wir damals auf jede Menge interessanter Musik gestoßen, Musik von Bands aus unserer Gegend, von Freunden. Auf das Label haben wir uns damals, in der Zeit zwischen „Protection“ und „Mezzanine“ ziemlich stark konzentriert. „Risingson“ hatte diese gewisse Prickeln, das die gesamte damalige Szene in Bristol auszeichnete.

„Mezzanine“

G: Mit „Mezzanine“ haben wir die Meßlatte damals höher gelegt, uns ein wenig von der Dance-Schiene verabschiedet und dafür andere Elemente mit in unsere Musik einbezogen. Musik also, auf die wir schon standen, bevor es mit diesem Hiphop-Tanz-Ding losging, und genau das war auch der Grund dafür, dass wir dann mit Gitarren gearbeitet haben. Ich glaube, dass wir uns von diesem langsamen, eher tanzbaren Zeug, was wir vorher gemacht hatten, ein wenig abwandten, das war schon eine gute Entscheidung...

D: Schwer zu sagen, woran es liegt, dass „Mezzanine“ nach wie vor unser erfolgreichstes Album ist. Vielleicht liegt es einfach an der Dynamik der Musik, an dem Energiepegel, der sich vor allem über Bass und Gitarre vermittelt... zumindest bei einigen der Albumtracks. Ich weiß noch, dass wir, nachdem wir das Album aufgenommen hatten und es zwei Jahre lang live gespielt hatten, auf keinen Fall noch einmal das Gleiche machen wollten. Die Zeit zwischen „Mezzanine“ und „100th Window“ war ausgesprochen schwierig. Jedes Mal, wenn wir ein wenig Krach machten, hatten wir sofort das Gefühl, wieder in alte Muster zu verfallen. Das war damals alles ziemlich nervig und auch langweilig, weil so auch keinerlei Inspirationen zu neuen Songs entstanden. Wir hatten diese Instrumentalpassagen, die wir auch alle recht spannend fanden, aber irgendwie wollte es uns nicht gelingen, daraus neue Songs zu entwickeln.

„Angel“

D: „Angel“ war auch einer dieser geradezu klassischen Irrtümer. Wir gingen damals ins Studio, um einen bestimmten Song aufzunehmen und kamen dann mit einem ganz anderen wieder heraus. Was vor allem daran lag, dass Horace Andy sich weigerte, bestimmte Wörter zu singen. Wir hatten einen Text für ihn geschrieben, aber er war mit gewissen Vokabeln nicht einverstanden. Ich will jetzt auch nicht weiter auf diese Sache eingehen, nur soviel: Keines dieser Wörter war anstößig, aber er meinte eben: „Nein, das singe ich nicht!“ Worauf ich damals sagte: „O.k., dann lass uns doch einen neuen Song machen“, was wir dann im Prinzip auch getan haben. Wir haben dann die Richtung mehr oder weniger komplett gewechselt, haben einen von Andys alten Songs genommen, diesen auseinandergepflückt und auf ein ganz anderes musikalisches Bett gespannt. Und das Ergebnis war dann ein komplett anderes Stück. Ich weiß noch, dass wir uns damals zum Feierabend alle am Kopf kratzten und dachten: „Ist das, was wir hier machen, gut oder nicht?“ Was damit zu tun hatte, dass wir uns eigentlich etwas völlig anderes vorgenommen hatten. Trotzdem, das Ergebnis klang auf jeden Fall interessant, und von da entwickelte sich dann alles Weitere. Und irgendwie wurde das dann auch zur bevorzugten Arbeitsweise bei „Mezzanine“, wir haben also immer an Stücken so lange herumgezerrt, bis diese völlig aus der Form gerieten... Was letztlich auch dazu führte, dass die komplette Band aus den Fugen geriet, weil diese Arbeitsweise auch die großen Unterschiede in der Band deutlich machte... Es gab unterschiedliche Vorstellungen, sowohl was die inhaltliche Seite als auch die musikalische Ausrichtung betraf. Ich glaube, wir wollten alle in ganz unterschiedliche musikalische Richtungen gehen. Mushroom stand eben vor allem auf Hiphop und Soul. Das ist sicher Musik, die in unser aller Leben eine wichtige Rolle gespielt hat, aber Grant und ich hatten das Gefühl, dass wir uns musikalisch verändern wollten, auch um so Einfluss auf aktuelle Trends nehmen zu können.

Die Trennung

D: Das war natürlich sehr traurig, immerhin ging es da um Beziehungen, die schätzungsweise 15 bis 18 Jahre Bestand hatten. Es war für alle Beteiligten eine sehr schwere Zeit, geradezu traumatisch, und auch sehr anstrengend. Zum Schluss gehen die privaten Beziehungen kaputt, alles läuft eher mechanisch, und dann kommuniziert man nur noch über Anwälte, was natürlich immer ein unschönes Ende einer Beziehung ist, egal um was für eine es sich dabei handelt. Und es gibt bei solchen Dingen ja auch kein Ende, das einen als Mensch, als Freund, als Verbündeten wirklich befriedigt. Weshalb es toll wäre, wenn sich irgendwann in der Zukunft die Möglichkeit eröffnen würde, dass man noch einmal zueinander findet, dass man offene Fragen klärt, bestimmte Dinge wieder gut machen und vielleicht wieder befreundet sein könnte. Alles hat sich seitdem verändert, und die Veränderungen sind riesig. Ich würde sehr gerne herausfinden, was dabei dann musikalisch am Ende herauskommen würde. Die Situation war ja damals eine völlig andere, wir waren ganz andere Menschen mit völlig anderen Persönlichkeiten. Unsere Werte, das, wofür wir standen, all das hat sich grundlegend geändert und es wäre sicher spannend, zu sehen, wie sich diese Änderungen auswirken.

Die einjährige Pause

G: Es ist halt passiert und bei „100th Window“ kochte diese leidige Sache dann noch mal hoch.

D: Er verklagt mich immer noch. (lacht)

G: D und ich haben uns damals kaum gesehen, wir hatten auch keine Ahnung, in welche musikalische Richtung es gehen sollte. Dann kam auch meine kleine Tochter Eva zur Welt, ich hab mich danach etwas zurückgezogen, und so kommt es jetzt, dass einige der Songs, die man jetzt auf CD Nummer 2 findet...

D: Wir haben jetzt etwa seit ca. 1999 nicht mehr zusammengearbeitet. Die nächste Platte wird sicher eine ganz neue Erfahrung, wieder ein Experiment, mal sehen, was dabei herauskommt. Es wird wohl ziemlich eine ziemlich abgedrehte Platte werden.

G: Beim nächsten Album werde ich wieder mit im Studio sein und an Tracks arbeiten. Ich bin also wieder zurück. Wir haben Massive Attack ja eh immer als Projekt verstanden, das sich immer wieder verändert, die Band als Gesamtheit ist mehr als die Summer aller Teile. Da steigen dann halt auch mal Leute aus, andere treten etwas kürzer, und so entwickelt sich das Projekt immer weiter.

D: Als Nächster bin ich an der Reihe, wenn es darum geht, einen längeren Urlaub zu machen. Es wäre wirklich toll, wenn ich nach unserer nächsten Platte erst mal fünf, sechs Jahre Urlaub machen könnte. Das wäre wirklich cool, weil ich dann vielleicht mal ganz andere Sachen ausprobieren könnte.

Kontrolle behalten

D: Es ist halt problematisch, wenn man als Mensch eine Art Kontroll-Freak ist. Ich meine, wir haben unserer Plattenfirma von Anfang an gesagt, dass wir alles selbst machen wollten, vom Artwork über die Zusammenarbeit mit den Videoproduzenten, mit den Fotografen, einfach alles. Und das alles muss auf der Basis von Freundschaft und gegenseitigem Respekt passieren, und fairerweise muss man sagen, dass unsere Plattenfirma uns da auch immer unterstützt und geholfen hat, auch finanziell. Andererseits fordert eine solche Arbeitsweise, wie wir sie pflegen, auch ihren Tribut, sie bestimmt irgendwann fast dein gesamtes Leben. Man ist irgendwann so sehr in diese Sache verwickelt, kümmert sich selbst um das Kleingedruckte, selbst um winzige Details wie etwa, auf welcher Stelle der CD der Aufkleber erscheint. Man kümmert sich um die erste Anzeige, das erste Poster… rDa kommen dann Fragen wie: „Was ist das, ist das die richtige Schrift, welche Schrift ist die richtige?“ Und man weiß, dass es total bescheuert ist, sich mit all diesem Mist zu beschäftigen und dass das alles auch total unnötig ist. Mir gehen dafür andere Sachen verloren. G z.B. hat viel mehr Zeit, Platten aufzulegen, er kann meistens das ganze Jahr lang als DJ arbeiten. Mir selbst dagegen bleibt kaum noch Gelegenheit, zu malen und all die anderen Dinge zu tun, die ich machen wollte, als ich damals anfing. Mein Hauptaugenmerk galt damals, als ich bei The Wild Bunch einstieg, der Malerei. Und diese hat dadurch natürlich besonders gelitten. Ich habe einfach nicht die Zeit, mich darum zu kümmern und meine Fähigkeiten zu verbessern. Mit der Malerei ist es ja wie mit der Musik – man muss, um besser zu werden, über Jahre konsequent daran arbeiten. Man kann Phantasie haben, man mag auch talentiert sein, aber wenn man wirklich gut sein will, dann muss man Zeit investieren, das geht nicht so einfach von heute auf morgen. Wochenlang im Studio zu sein ist toll, wenn es darum geht, seine Fähigkeiten als Songwriter zu verbessern und zu verstehen, wie Musik eigentlich funktioniert. Andererseits gehen einem so viele andere Dinge verloren, man hat keine Zeit mehr für sich selbst und für die Dinge, die man sonst noch gerne machen würde. Es ist halt eine Art Spagat und es ist schwierig, da ein Gleichgewicht zu finden. Sicher, man könnte die Zügel auch etwas lockerer lassen und versuchen, nicht alles zu kontrollieren. Ich könnte so vielleicht auch andere Dinge tun, könnte vielleicht an irgendwelchen Filmmusiken arbeiten oder malen und dafür würde dann G meine Aufgaben übernehmen. Vielleicht passiert das ja nach der nächsten Platte. Ich denke, irgendwann ist auch bei einem so einem vieldeutigen Projekt wie Massive Attack der Punkt erreicht, wo es am schlauesten und für die eigene Kreativität am besten ist, wenn man nach der Veröffentlichung der nächsten Platte mal Abstand nehmen und etwas ganz anders machen würde – einfach, um auch wieder Kraft zu tanken. Letztlich stellt sich ja auch die Frage, wie lange man all diese Sachen machen will. Irgendwann erreicht man ein Alter, in dem man sich Fragen stellt wie: „Will man eigentlich überhaupt noch auf Tour gehen? Ist es für einen selbst, als Menschen, überhaupt wichtig, dass man auf Tour geht? Ist man sich sicher, dass es das ist, was man wirklich tun will, oder will man vielleicht etwas völlig anderes machen? Etwas, wobei man das Gefühl hat, etwas wirklich Konstruktives zu leisten, was einen mehr erfüllt?“

„Weather Underground“

D: “Weather Underground” ist natürlich ein etwas frecher Titel für ein Album, weil er sich offensichtlich auf die gleichnamige politische Bewegung der 60er bezieht. Diese Bewegung lehnte den Vietnamkrieg ab und wurde in der Folge auch immer militanter. Nicht, dass wir so eine Entwicklung befürworten – wir sind immer für friedliche Protestformen eingetreten, wir sind Pazifisten und lehnen daher jegliche Form von Gewalt ab. Andererseits steht „Weather Underground“ für eine bestimmte Idee, nämlich die, junge Menschen dazu bewegen, sich politisch zu betätigen, sich zu informieren und einzumischen. Und gleichzeitig bezieht sich der Albumtitel auch auf die Idee eines (politischen) Untergrunds, es geht darum, mit dem Rücken zur Wand zu stehen und wie man mit all diesen Widrigkeiten fertig wird. Und ich finde, dass all diese Dinge in der heutigen Zeit ziemlich wichtig sind.

Musikalische Richtung

D: Momentan arbeiten wir an einem Sound, der deutlich mehr Soul hat. Wir arbeiten dabei mit ganz unterschiedlichen Leute, von Terry Callier bis hin zu Dave Sitek von (der Band) TV On The Radio, und mit vielen anderen... Wir waren erst kürzlich in Brooklyn, haben dort mit vielen ortsansässigen Sängern und Musikern gearbeitet. Wir werden die verschiedensten Dinge ausprobieren. Wir sind im Moment an einem Punkt, an dem unsere neue Platte ca. zur Hälfte fertig ist, und von hier ab kann sich alles in die unterschiedlichsten Richtungen entwickeln. Das ist der Punkt, an dem man noch nicht 100%ig weiß, wohin man eigentlich will. Das ist in etwa so wie bei „Matrix“, man weiß nicht, ob man jetzt die rote oder doch lieber die blaue Pille nehmen soll, man ist noch nicht völlig überzeugt, und so probiert man weiter alle Möglichkeiten aus, bis einem dann irgendwann klar wird, wohin die Reise gehen soll.

Das Fazit

D: Der Hauptgrund dafür, dieses Album zu machen, war von Anfang an der, dass es da noch diese andere Platte gibt, die jetzt ca. zur Hälfte fertig ist. Die Veröffentlichung (dieser Compilation) gibt uns die Freiheit, ohne Druck weiter an unserem nächsten Album zu arbeiten. Dieser Druck stellt sich schon früh genug ein, nämlich spätestens dann, wenn man (der Plattenfirma) mitteilt: „Wir haben da ein ganz und gar unkommerzielles Album gemacht“, oder: „Wir haben eine Album, das keine Singles enthält, und außerdem wollen wir noch drei, oder vier großartige Videos drehen.“ Dann kommt als Reaktion vielleicht: „Sicher Jungs, alles klar, träumt ruhig weiter“, oder: „Dann veröffentlicht eure Platte doch selber!“ Was für die Zukunft durchaus eine Option sein könnte, momentan aber steht das nicht zur Debatte. Uns ging es ja immer um die Zukunft, darum, ein Gleichgewicht zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft herzustellen. Ich denke, wir versuchen mit diesem Projekt bestimmte Dinge klarzustellen. Die zweite CD, das Artwork, die Videos, das alles ist eine völlig neue Präsentation. Die erste CD hingegen ist etwas, dass sich jede(r) so auch mit i-Tunes selbst zusammenstellen könnte, wenn er/sie es denn wollte. Natürlich ist es wichtig, dass diese Sache als Paket einen gewissen Wert hat. Ich denke, dass momentan zu viel Wert darauf gelegt wird, bestimmte Urheberrechte zu schützen und zu kontrollieren. Dabei sollte man diese Energie lieber darauf verwenden, mit Leuten zu kommunizieren, ihnen das Konzept klarzumachen, das da heißt: „Ja klar, jeder kann alles kostenlos nutzen, Filesharing ist die Zukunft.“ Aber wenn du den Leuten etwas bietest, das auch einen Wert besitzt, dann sind sie auch bereit, dafür zu zahlen. Ich habe eine Menge Freunde, die so ziemlich alles raubkopiert haben, alle ihre Filme, alle ihre Musik-CDs. Die würden vermutlich sogar Bücher illegal kopieren, wenn so was möglich wäre. Das ist eben ihre Art, sie wollen so leben, sie sind auch stolz darauf, und ich... naja, es ist ihre Sache, wenn du weißt, was ich meine. Bei mir hingegen ist es eher so, dass, wenn mir etwas gefällt, ich dann das auch (als Original) besitzen will.

Die letzten Worte

G: Nun, es ist ja ganz offensichtlich, dass sich über die Jahre bei uns gewisse Frustrationen angestaut haben, und die entladen sich eben manchmal zur falschen Zeit. Aber ich finde, dass so etwas ganz natürlich ist, wenn man über so einen langen Zeitraum so eng mit jemandem zusammenarbeitet. Wir kennen uns jetzt seit 25 Jahren, und da kommt es halt wie unter Geschwistern hin und wieder mal zu Reibereien, es gibt dieselben Rivalitäten wie unter Geschwistern. Und manchmal gehen wir uns halt auch gegenseitig auf die Nerven, aber das liegt halt in der Natur der Sache...

M: Mensch!

G: Naja, aber so ist das halt bei kreativen Persönlichkeiten mit großen Egos, da gerät man dann auch hin und wieder mal aneinander. Weiß der Himmel, wie das in der Zukunft aussehen wird, bis hierher hat es ganz gut geklappt. Oder lass es mich mal so sagen: die Sache war es wert.

D: Amen, Alter!



Greetz,
Messiah

  Now Playing  Now Playing Massive Attack - Angel


__________________
Thou shalt not alter the consciousness of thy fellow men.
Thou shalt not prevent thy fellow man from altering his or her own consciousness.



05.04.2006 22:31 Messiah ist offline Beiträge von Messiah suchen Nehmen Sie Messiah in Ihre Freundesliste auf Fügen Sie Messiah in Ihre Kontaktliste ein
Baumstruktur | Brettstruktur
Gehe zu:
Neues Thema erstellenAntwort erstellen
Dreamwhile - Die schwarze Community » Musik » Neues aus der Musikszene » Massive Attack - Interview

Forensoftware: Burning Board, entwickelt von WoltLab GmbH
Impressum | Disclaimer | Archiv
Check XHTML | RSS-Feed
Hits
Heute: 1498 | Gestern : 1816 | Gesamt : 1623125
NOIZEinfo Top 100   Gothic Toplist by nachtwelten