Nénindis Feirgwenn

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Dabei seit: 06.01.2005
Beiträge: 76
Herkunft: Niedersachsen
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| Kurzgeschichten-kleine Sammlung (1) |
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Nelkentod
(In Gedenken an den göttlichen Wahn, der selbst heute nicht zu verachten ist)
Das Dorf am Meer ist so idyllisch und ruhig, alles so friedlich und freudig beglückt. Blumen blühen in den Gärten, Frauen pflücken Äpfel und die Männer decken ein Dach, die Kinder spielen am weißen Strand unter den kreischenden Möwen zwischen dem Schilf, ein paar alte Mütter kochen ein herrliches Mahl, junge Mädchen decken den Tisch, einen Tisch für das ganze kleine Dorf. Schmetterlinge umfliegen das weiße Gedeck, alles liegt im milden Sonnenlicht, im zarten Sommerglanz und frischer Brise der See.
Schließlich ertönt eine Klingel und alle eilen herbei, sie setzen sich nieder, warten ein wenig und sprechen zuletzt ein denkwürdiges Gebet. Lachend und zufrieden schlemmern sie, keine Sorgen liegen in der Luft und niemand fragt sich, wo der Pfarrer ist, sein Platz ist leer.
Als er über den alten Weg kommt, freuen sich die Leute und grüßen ihn schon, doch sein Blick ist düster und betroffen. Blutverschmiert setzt er sich nieder, senkt seinen Blick und isst keinen Bissen, niemand wundert das Blut, sie wissen, was geschah, sie sind ihm dankbar für das, was er tat, was er tat an einem schönen Sonntag nachmittag. Sie reichen ihm Schalen und sprechen über Gott und die Welt, unberührt und unbetroffen.
Langsam naht der Abend, Lichter erfüllen den Strand, leise klingt noch das Lachen, während die Leute sacht in ihre Häuser gehen und sich auf eine ruhige Nacht einstellen. Auch der Pfarrer geht, er geht in die Kapelle und kniet nieder, leise betet er, lange, fast die ganze Nacht und als der Morgen anbricht gellt durch das schlafende Dorf: „Der Herr Pfarrer ist tot! Der Herr Pfarrer ist tot!“, er nahm sich den Strick und erhängte sich direkt vorm Altar und auf einmal beginnen die Leute, traurig zu blicken, verschwiegen und bestürzt, fassungslos und beschämt schauen sie, denn sie alle wissen, ihre Schuld ist es.
Denn am schönen Sonntag nachmittag tat der Herr Pfarrer, was getan werden musste, was sie verlangten und was sie ihn drängten, er nahm ein Messer und stach sie nieder, sie, das Mädchen vom Waldrand. Rotes Haar hatte sie, bleiche Haut und eine liebliche Stimme, sie wohnte abseits, denn niemand traute ihr und so widmete sie sich ganz und gar ihren Nelken, die sie über alles liebte, denn die Menschen schimpften sie stets eine Hexe. Und er erstach sie und bettete sie auf eine Wiese von Nelken, ihr Blut jedoch lies die Nelken verdorren. Heute liegt Schnee, die Monate sind vergangen, das Dorf schläft nichtsahnend und das Weihnachtsfest erwartend. Da kommt ein Mädchen, barfuß in Lumpen, sie zieht umher, bietet Holzfiguren an, doch die Leute sehen sie an und sehen das Gesicht der toten Hexe, so scheuchen sie sie fort und verbannen das Kind welches halb erfrierend in Ecken kauert, es weiß nicht wohin, wollte doch nur etwas warmes oder etwas zu essen erkaufen.
Wenig später beginnt ein Haus zu brennen, die Bewohner überrascht und verbrannt. Das Feuer weitet sich aus, verschlingt lodernd das ganze Dorf und noch bis zur Morgendämmerung liegt alles in Schutt und Asche. Viele Tote gab es, viel Leid, alles zunichte, alles fort und als sie das Feuer gelöscht, sehen sie, wodurch es entfacht: ein kleiner Haufen von Holzfiguren. Und obwohl noch eben ein Feuer dort brannte, liegen nun Nelken über die Figuren gestreut und in Asche ist geschrieben: die Hexe, Gottes Rache, ein Nelkentod
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Sie und Er, Tod und Ewigkeit, Himmel und Hölle
Langsam und lautlos versinkt am Horizont eine rote Sonne. Der Himmel scheint blutgetränkt, die Wolken ziehen dunkle Schatten durch das rote Meer des Himmels und kein Vogel fliegt, denn sie meiden das Rot. Stille liegt über dem Land, es scheint, als sei etwas gestorben. Der Wald am Horizont färbt sich rot golden, er liegt in einem zarten Hauch von Gold und Blut, liegt da und seine Blätter rascheln leise im Wind. Die Wiesen schlummern, sind grau schattiert, der Boden schwebt schon im Dämmerlicht, die Blicke der Welt haben sich von ihm gelöst. Auf der starken Eiche beim Haus sitzt eine Nachtigall, lieblich singt sie und kündet die Dämmerung an. Früh ist sie erwacht, doch ihre Ruhe wurde gestört. Das Haus steht da, mitten in der Einsamkeit, mitten im Schoß der Mutter Natur. Alles herum schweigt. Das Gemäuer scheint schwarz. Das Licht dringt nicht zu den Steinen hervor. Nur in den Fenstern schimmert das Rot. Der Efeu und die Rosen an den Mauern öffnen sich zur Nacht, sie genießen die Finsternis. Der Garten ist riesig, düster verwuchert, wild romantisch, mit tausend Rosen geziert. Das schmiedeeiserne Tor ist verschlossen, der Weg lang nicht mehr begangen. Unter der alten Eiche ruht ein Hügel, bewachsen von Gras. Ein alter Stein lehnt an den Baum und künstlerische Schrift ist zu erkennen. „Môryen caita lorna ilfirin halyaina di mardei nauseion.“ Die Nacht bricht herein, das Land wird in Dunkel gehüllt. Es scheint, als erblühe das Haus erst jetzt zu seiner vollen Schönheit. Wundervoll liegt es da, wie ein dunkler Traum, ein Traum aus Rosen, voller nächtlichem Glanz und schimmernder Weite. Das Haus erwacht, Fackeln werden gezündet und Kerzenlicht erleuchtet die Fenster. Klaviermusik ertönt im Garten und die Nachtigall stimmt mit ein. Am Tag schläft er, doch bei Nacht wacht er auf und genießt die Stille und die Tiefe der Finsternis. Einst war er der Fürst der Finsternis, ein Vampir, ein wandelnder Schatten, die Gefahr liebend, über die Ewigkeit lachend, jede Sekunde kostete er aus, er war wild und nicht zu bändigen. Doch trat sie in sein Leben. Ein Schatten wie er, die Nacht liebend, doch war sie nicht der Freude, sondern der Trauer geweiht, denn Nacht für Nacht vergoss sie Tränen aus reinstem Blut und hatte Mitleid mit den Geschöpfen der Welt. Den Kindern der Trauer und des Leids schenkte sie Hoffnung und segnete sie mit Weisheit, wenn das Leid überstanden. Sterne reichte sie in der Dunkelheit und Klagelieder stimmte sie an in der Ferne und ihre Stimme ließ die Welt verblassen. Ewig war sie, doch nicht unsterblich. Und schon nach kurzer Zeit, als er, der Mächtigste der Dunkelheit, stets bedrohlich, gefährlich, aber im Herzen liebevoll und sanft, endlich wieder zu lieben begann und es ihn so sehr nach ihr begehrte, da taten Himmel und Hölle sich auf und sowohl Gott, als auch der Teufel kamen hervor. Sie rissen jenes Wesen der Nacht aus seinen Armen und kämpften mit ihm einen Kampf um seine Liebste, denn nur er oder seines Gleichen, die frei von jeglich Glauben waren, verstoßen von Himmel und Hölle, waren in der Lage gegen die Höchsten Mächte anzutreten. Doch sie warfen ihn nieder, verletzten ihn schwer und so entschwanden sie, wenn auch nicht unberührt, in ihre Reiche zurück und verdammten seine Liebste zu ewigem Leid. Und sie ertrank in einem Meer aus Tränen, ihr Herz zerbrach wie ein zarter Kristall und ihr Kummer versiegte jede Hoffnung. Und sie schloss die Augen und verließ Raum und Zeit und selbst für Gott und den Teufel war unbegreiflich, wohin sie entschwunden. Ihren Körper gaben sie ihrem Liebsten und er legte sie in einen gläsernen Sarg, gebettet in rote Rosen, unsterblich und schön liegt sie nun da, in weißem Kleid, umgeben von Kerzen und der Natur, aufgebahrt in einem Tempel aus Stein, umrahmt von Säulen, die von Efeu bewuchert und die schwarzen Vorhänge wehen leise im Wind. So liegt sie da im Wald nahe des Hauses und an ihrem Todestag färbt sich der Himmel blutrot, wenn die Sonne versinkt und die Vögel beginnen zu schweigen, der Wind lässt ab, alles gedenkt, nur die Nachtigall singt ihr Lied, wie seine Liebste es einst tat. Und er geht zu ihr, in den Wald und setzt sich an ihren Sarg und schweigt, weinend. Und inmitten der Nacht wird der Raum von Licht überflutet, unglaublich hell wird es plötzlich und aus dem strahlend weißen Licht eines Sterns tritt ihr Geist auf ihn zu und gibt ihm einen sanften Kuss, hält ihn im Arm und schenkt ihm diese Nacht, in dieser Nacht gehört sie ganz ihm. Selbst Himmel und Hölle bleibt dies verborgen, denn die Liebe jener Beiden ist stärker als Raum und Zeit und sie durchbrechen den Tod und die Ewigkeit. Doch dann geht die Sonne auf, die Nacht ist vergangen und er liegt wieder in seinem dunklen Sarg und träumt von ihr, denn wieder ist sie für ein ganzen Jahr fort. Doch in ihm lebt sie ewig, denn in ihm pulsiert ihr Blut und ihre Wärme.
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siehe next page (dort befindet sich auch ein Kommentar meinerseits)
__________________ Oh Captain My Captain!
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