darkinferis
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Dabei seit: 11.11.2004
Beiträge: 4
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Das Problem
Ein verwirrtes, 15-jähriges Mädchen schrieb eines Tages:
" Hallo liebes Tagebuch!
Mir wurde gesagt, dass ich mit dir reden kann, denn ich glaube, dass mir kein anderer mehr zuhört. Irgendwie bin ich anders geworden, in den letzten Jahren. Ich habe anfangs immer gedacht, dass man sich so geben soll, wie man ist, doch war das falsch. Das erkenne ich jetzt.
Zuerst habe ich es ja als Spaß aufgefasst und gedacht, dass es alles nur vorübergehende Sticheleien sind, die ich erfahren muss, doch nach und nach bin ich nicht mehr so naiv in der Welt herum gelaufen. Ich meine, warum sollte man zeigen wie man ist? Es will doch sowieso keiner wissen, jeder Mensch ist so fixiert auf sein eigenes Leben, die kümmern sich einen Dreck um mich. Hauptsache sie haben Spaß. Das wirkte sich auch auf ihr Verhalten aus, denn sie wollten Spaß und brauchten andere dazu, um sich über die lustig zu machen. Ja und heute, heute sitze ich hier. Hier in meinen vier weißen Wänden und erlebe Tag für Tag das gleiche. Das habe ich aber auch verdient. Ich hätte mich nicht so öffnen dürfen und nicht soviel von mir erzählen müssen, dann hätten sie nicht so viele Witze machen können und sie hätten mich akzeptiert. Vielleicht hätte es auch etwas gebracht, wenn ich mit einen von ihnen geschlafen hätte, so wie es Lisa macht. Sie wird von allen immer akzeptiert und verehrt und das, obwohl sie anfangs auch unbeliebt war. Nun ja, ich bin halt irgendwie schuld. Die Phase, in der ich dachte, dass die anderen nur dumm sind und ich ein guter Mensch bin, aus dieser bin ich schon lange heraus. Ich habe meine Augen für die Welt geöffnet und gesehen, was ich bin. Ich bin wohl etwas, was niemand sehen möchte und dessen Nähe niemand spüren möchte, weil ich anders bin. Anstatt täglich shoppen zu gehen, lese ich halt lieber Bücher und unterhalte mich über ernste Themen, während alle Menschen um sich herum einander beneiden, wegen Schuhe oder sonstigem äußerlichen Kram. Ich wäre gerne wie sie. Einfach akzeptiert werden, das wollte ich. Heute bin ich hier.
Ich muss dir auch noch was erzählen, denn ich glaube, der Herr Schneider mag mich nicht. Er stellt in letzter Zeit so komische Fragen und meinte, er müsse mich öfters sehen. Er will mich wohl nur nerven. Ach, ich habe keine Ahnung. Oder doch? Ich weiß wenigstens jetzt, was ich tun werde. Bin mir auch schon ziemlich sicher. Ich meine, was habe ich erreicht in meinem Leben? Meine Eltern haben mich in dieses neue Zuhause gegeben, Freunde habe ich seit dem Umzug in diese Stadt auch nicht mehr und überhaupt lief alles schief.
Manchmal, da denke ich noch zurück an die alten Zeiten mit meinen richtigen Freunden, bevor ich hierher ziehen musste. Das war schön! Alle mochten mich und mir hörten alle zu. Und der Andi war so süß, ich glaube, ich hätte ihn geheiratet, wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Vielleicht hätte es was gebracht, wenn ich einfach abgehauen wäre und zurück in mein Leben getrampt wäre. Ich meine, da ging es mir noch gut und ich wurde noch nicht von allen Leuten so komisch angeschaut. Da fühlte ich mich noch wohl und ich wußte wer ich bin. Da war ich noch ein Mensch und was bin ich heute?
Liebes Tagebuch, ich hoffe, du hälst diese Erinnerung und diese Worte bereit für andere, die noch hierher kommen. Mein Leben ist zu bedeutungslos, als dass ich dieses hier noch fortführen werde. Mich versteht sowieso keiner. Vielleicht sehen wir uns ja eines Tages wieder, zu einem freudigeren Zeitpunkt.
In liebe, deine Antje. "
Als ein Aufseher Antje fand, waren diese Worte das letzte, was man als Deutung ihrer Tat nutzen konnte.
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