Von kb aus dem Schwarzes Hamburg. Ich Schließe mich seiner Aussage an
"Oh nein, MEINE Bands, die doch so sehr MEINE so EINZIGARTIGEN, INDIVIDUELLEN Gefühle ausgedrückt haben [Ed: Man erkenne den Widerspruch], wollen jetzt nur noch Geld und machen keine richtige Musik mehr! Ich verstoße sie! Verachtenswert!"
Ich kann das Geheule nicht mehr hören.
Was hier nur allzu gerne vergessen wird, ist daß Within Temptation und die meisten anderen Bands, ihre Musik nicht für Claudy Schmidt, 12345 Sonstwodorf machen, sondern für genau zwei Parteien: Sich und alle anderen. Man kann als Band noch so goth sein, wenn einem die Chance geboten wird, ein großes Publikum zu erreichen, ohne daß man gleich das nächste Bohlen-Album aufnehmen muß, wäre das ganz schön dumm, nein zu sagen. Denn wieso? Weil Claudy sich in ihrer kleinen vergrufteten schwarzen seelischen Samtkuschelblase gestört fühlt? Doch wohl kaum.
Sorry, bei 90% aller "die sind so kommerzig geworden"-Diskussionen ist der wahre Grund doch nur ein gekränktes Weltbild und die Wahnvorstellung, Peter Heppner gehöre einem ganz alleine.
Dabei könnte es auch einfach daran liegen, daß Heppner, Anke von Milamar, Robert Smith und alle anderen so erwachsen geworden sind, dass sie sich denken "Mein Gott... mein Leben ist ja doch nicht so scheißeneinsam und deprimierend wie ichs mit 16 noch geglaubt hab", und einfach mal aus reinem Spaß am Musikmachen und Experimentierfreudigkeit mit Schiller oder Blank&Jones oder wem auch immer zusammenarbeiten. Klar gibt das auch Geld, aber a) ist das Mitwirken an einer Dancesingle nicht so wirklich richtig ertragreich und b) bräuchte spätestens Robert Smith das eigentlich nicht mehr so wirklich. Er tuts aber trotzdem. Die paar Cure-Fans, die deswegen anfangen zu flennen, kommen schon irgendwann damit klar. Oder nicht. Macht aber auch nichts.
Weitere Beispiele:
Wolfsheim sind trotz kommerziellem Erfolgs (und jetzt Echo auf dem Kamin) bei einem Indielabel und haben AFAIK auch keine Motivation zu wechseln.
Wir Sind Helden ebenso: Indielabel und DER Durchstarter des Jahres. Und das mit Musik, die sie schon Jahre vorher fertig hatten und die laut Majorlabels (damals) eh keine Sau hören will. Aber die sind jetzt bestimmt auch voll die Kommerzschweine.
Covenant sind wieder bei Sony raus, nachdem sie merkten, dass sowohl alle ihre Freiheiten als auch die Rechte an den eigenen Stücken und der Band an sich sich mit einem Geräusch verabschiedet hatten, als würden gerade 100000 Leute eine kopiergeschützte CD in der Mikrowelle grillen.
Project Pitchfork sind schon WEIT vor den ersten bekannteren Videos extrem mainstreamig geworden. Die ersten Alben klangenhalt noch individuell, weil Spilles es halt nicht besser konnte.
Eigentlich ist die Lösung ganz einfach: Wenn eine Band plötzlich "Eure Sache verrät", dann solltet Ihr einfach raffen, daß die Sache der Band eventuell eine ganz andere war. Ihr könnt Euch dann eine neue Band suchen, die ihr dazu zwingt, Eure ach so individuelle Einstellung zu teilen, oder aber ihr laßt es.
Aber wie ich schon am Anfang sagte: Ich kann das Geheule nicht mehr hören.