Stone
Das sogenannte Mittelalter, also die Zeit zwischen dem Verschwinden der Antike im 6. Jahrhundert und ihrer "Wiederentdeckung" in der Renaissance des 15./16. Jahrhunderts, mit der die Historiker unsere "Neuzeit" beginnen lassen, erleben höchst verschiedene Berurteilungen. In allen Schulen lernen wir, dass dieses Mittelalter "finster" war, verschroben, grausam, ungebildet, dass die Menschen Hexen verbrannten und kaum anderes leisteten, als sich hinter Klostermauern zu verbergen, alte Texte abzuschreiben und neue Fälschungen hinzuzufügen. Wir lernen von einer erschreckenden Übermacht der Kirche und ihrer Päpste, die ihre Absetzung durch den Kaiser nur dadurch entgehen konnten, dass sie rechtzeitig selbst den Kaiser mit dem Bannfluch belegten, von unvorstellbaren hygienischen Ziuständen und erbarmingsloser Armut rund um den Hofstaat, dessen Prunk und Verschwendungssucht nur noch von den modernen Rüstungsbudgets übertroffen wird.
Die Menschen dieser Zeit selbst sahen sich jedoch keineswegs rückständig, brutal und einfältig (auch wenn ein ganzer Stand, die Ritter, es sich leisten konnte, auf die Kenntnisse des Lesens und Schreibens zu verzichten).
Man hielt sich auch nicht für "barbarisch", sondern für römisch und christlich - was man allerdings wiederum bis in die Barbarei der Kreuzzüge verteidigte. "Finster" war es in der Meinung der Aufklärung des 18. Jahrhunderts, die ihr (noch) schwaches Licht durch Verdunkelung der Umgebung hervorkehren musste. Und die Hexenverbrennungen sind überhaupt kein Produkt des Mittelalters, sondern stehen am Beginn der ach so gepriesenen sozialen Neuzeit mit ihren humanistischen Errungenschaften. Trotzdem ist im allgemeinen Bewußtsein das Bild einer mehr oder weniger undurchschaubaren Zeit geblieben mit politischen, religiösen und sozialen Verhältnissen, die niemand mehr nachvollziehen kann. Das Mittelalter ist tot, entgültig verstummt und hat uns nichts zu sagen. Oder?
Bemerkenswert ist, dass schon in den 20-er Jahren unseres Jahrhunderts begonnen wurde, von einem "Neuen Mittelalter" zu sprechen. Damit ist nicht der Untergang unserer Moderne gemeint und ihr Rückfall in eine Zeit der Burgen und Klöster, sondern ein Zukunfts-Szenario mit wesentlichen mittelalterlichen Elementen zur Verbesserung der Gegenwart.
Im Jahre 1955 prophezeite der Amerikaner Walter Miller in einem Science-fiction-Roman eine nukleare Katastrophe, welche die (übriggebliebene) Menschheit nur durch die Institution der Mönchsorden überleben könnte, wie diese ja auch schon den Untergang des Altertums überlebten. Schließlich staunt man, welches Interesse Umberto Eco mit seinem Mittelaltr-Kriminal-Roman "Der Name der Rose" erwecken konnte.
Aber sucht dieses Interesse und die dahinterliegende Vorstellung tatsächlich ein reales Bild jener Epoche?
Ist ein solches Bild überhaupt möglich angesichts der spärlichen Quellen? So gut wie alles, was wir vom Mittelalter wissen, wurde von Klerikern geschrieben. Ist deren Bild nicht notgedrungen einseitig? Diese Fragen prägen die nachfolgende Schilderung des 11. Jahrhunderts.
Wenn einzelne Aspekte gerade des frühen Mittelalters in der Forschung widersprüchlich beurteilt werden, ist das eine direkte Folge dieser Situation.
Die Menschen dieser Zeit selbst sahen sich jedoch keineswegs rückständig, brutal und einfältig (auch wenn ein ganzer Stand, die Ritter, es sich leisten konnte, auf die Kenntnisse des Lesens und Schreibens zu verzichten).
Man hielt sich auch nicht für "barbarisch", sondern für römisch und christlich - was man allerdings wiederum bis in die Barbarei der Kreuzzüge verteidigte. "Finster" war es in der Meinung der Aufklärung des 18. Jahrhunderts, die ihr (noch) schwaches Licht durch Verdunkelung der Umgebung hervorkehren musste. Und die Hexenverbrennungen sind überhaupt kein Produkt des Mittelalters, sondern stehen am Beginn der ach so gepriesenen sozialen Neuzeit mit ihren humanistischen Errungenschaften. Trotzdem ist im allgemeinen Bewußtsein das Bild einer mehr oder weniger undurchschaubaren Zeit geblieben mit politischen, religiösen und sozialen Verhältnissen, die niemand mehr nachvollziehen kann. Das Mittelalter ist tot, entgültig verstummt und hat uns nichts zu sagen. Oder?
Bemerkenswert ist, dass schon in den 20-er Jahren unseres Jahrhunderts begonnen wurde, von einem "Neuen Mittelalter" zu sprechen. Damit ist nicht der Untergang unserer Moderne gemeint und ihr Rückfall in eine Zeit der Burgen und Klöster, sondern ein Zukunfts-Szenario mit wesentlichen mittelalterlichen Elementen zur Verbesserung der Gegenwart.
Im Jahre 1955 prophezeite der Amerikaner Walter Miller in einem Science-fiction-Roman eine nukleare Katastrophe, welche die (übriggebliebene) Menschheit nur durch die Institution der Mönchsorden überleben könnte, wie diese ja auch schon den Untergang des Altertums überlebten. Schließlich staunt man, welches Interesse Umberto Eco mit seinem Mittelaltr-Kriminal-Roman "Der Name der Rose" erwecken konnte.
Aber sucht dieses Interesse und die dahinterliegende Vorstellung tatsächlich ein reales Bild jener Epoche?
Ist ein solches Bild überhaupt möglich angesichts der spärlichen Quellen? So gut wie alles, was wir vom Mittelalter wissen, wurde von Klerikern geschrieben. Ist deren Bild nicht notgedrungen einseitig? Diese Fragen prägen die nachfolgende Schilderung des 11. Jahrhunderts.
Wenn einzelne Aspekte gerade des frühen Mittelalters in der Forschung widersprüchlich beurteilt werden, ist das eine direkte Folge dieser Situation.