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Leichenschmaus / Kindstod

Nénindis Feirgwenn
Leichenschmaus

Wie Krähen scharren sie sich um den Tisch,
reißen gierig das Mahl des Abgesangs in Stücke
und reden dabei gänzlich unverblümt
über jenen Unbekannten ihrer einstigen Reihen.

Wie grausam dieses Bild doch erscheint,
wie grotesk dieser Leichenschmaus
und welch Ironie sich doch auftut
am Abgrand der menschlichen Fassade.

Keiner von ihnen kannte mich,
keiner von ihnen wollte mich kennen,
doch alle eilten sie herbei,
um vom gedeckten Tisch zu kosten.

Wenn ich sie mir nun so ansehe,
dann erkenne ich die Einfachheit dieser Geschöpfe,
wie sie erbärmlich andere zu Tode trampeln,
damit sie selbst überleben.

Das traurige Bild der blutdurstigen Mörder,
welche doch selbst Opfer des Lebens sind,
wie es ihnen zuteil wurde
und unbeachtet ein brutales Ziel verfolgte.

All das jedoch wendet ihre Schuld kaum ab
und irgendwann werden sie ganz sicher,
wenn sie erneut ein hilfloses Geschöpf zu Grabe tragen,
am Zuckerkuchen ersticken.

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Kindstod

Auf die Seite gerollt
der kleine schlanke Körper
zusammengekrümmt
wie im Mutterleib
doch nicht geborgen

Zittrig fiebernd umfassen
knochige Finger
das andere Handgelenk
zaghaft ängstlich
verschreckt

Die kleinen Finger
fahren langsam hinab
die schimmernden Adern
tastend
Nägel nachzeichnend

Im Glas der Vitrine
glänzt der Sonnenuntergang
rot golden
gesegnet glücklich
und warm

Der Mund steht offen
wimmernd
lautlos
die Lippen bebend
vor Schmerz

Die Nägel fahren hinauf
an die Weggabelung
zum Puls
bohren sich still
ins weiße Fleisch

Lieblich ziert sich
der fahle Mund
zu einem Lächeln
sachte bilden die Lippen
ein Spiel von Glückseligkeit

Und die leeren Augen
erstrahlen
sternengleich
der Erlösung nahe
kindlich fasziniert vom Tod