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Zu klug: Todestrafe??

Everyday is Night
Im Gefängnis "zu klug" geworden
US-Häftling Daryl Atkins droht nun die Todesstrafe

Washington - Sein Fall hatte den Obersten Gerichtshof der USA dazu gebracht, die Hinrichtung von geistig Zurückgebliebenen zu verbieten. Drei Jahre später ist der Intelligenzquotient (IQ) von Daryl Atkins im Gefängnis aus unerklärlichen Gründen gestiegen. Im Sommer wird ein US-Gericht darüber urteilen, ob der 27-Jährige nun hingerichtet werden soll, weil er in der Haft dazugelernt hat. "Es mag unglaublich erscheinen", sagte Richard Dieter vom Informationszentrum zur Todesstrafe. Atkins' Fall bereitet den Juristen großes Kopfzerbrechen.

Wegen Mordes zum Tode verurteilt

1996 war Daryl Atkins im Bundesstaat Virginia wegen Mordes zum Tode verurteilt worden. Seine geistigen Fähigkeiten wurden 1998 getestet: Sein IQ lag damals bei 59 und damit unter dem Wert, ab dem die Intelligenz von Experten als "normal" eingestuft wird. Die Justiz rief den Obersten Gerichtshof an. Der entschied im Jahr 2001, dass die Hinrichtung von geistig Zurückgebliebenen gegen den US-Verfassungszusatz verstößt, der jede "grausame oder ungewöhnliche" Bestrafung verbietet. Zu den geistigen Fähigkeiten von Atkins bezog das Gericht damals nicht ausdrücklich Stellung.

IQ auf 76 gestiegen

Die Angelegenheit nahm eine unerwartete Wende, als Atkins' Intelligenz im vergangenen Jahr erneut getestet wurde: Diesmal lag sein IQ bei 74, inzwischen soll er laut der Staatsanwaltschaft sogar auf 76 gestiegen sein. Der Oberste Gerichtshof hatte bei seiner Entscheidung jedoch nicht vorhergesehen, dass sich der Intelligenzquotient eines Angeklagten ändern könnte. "Sie sind davon ausgegangen, dass die geistige Behinderung ein dauerhafter Zustand ist", sagt Richard Dieter. "Sie hatten deshalb keinerlei Ursache, in ihrem Urteil zu schreiben, dass eine 'zur Tatzeit' geistig zurückgebliebene Person nicht hingerichtet werden darf."

Fall wird ab Juli neu verhandelt

Weil dieser Zusatz in dem Urteil fehlt, ist Atkins jetzt nicht mehr durch die Entscheidung des Obersten Gerichts geschützt. Ab dem 25. Juli soll ein Gericht in Yorktown/Virginia erneut über Atkins' Fall verhandeln und klären, ob er trotz seines gestiegenen IQs weiterhin als geistig zurückgeblieben gelten soll oder nicht. Damit wird Atkins einer der ersten Häftlinge aus dem Todestrakt sein, der zur Neubewertung seiner geistigen Fähigkeiten vor Gericht muss, wie Richard Dieter betont. Normalerweise, wenn niemand ihren Geisteszustand anficht, wird die Todesstrafe für geistig Behinderte einfach in lebenslange Haft umgewandelt.

Geistig zurückgeblieben oder nicht?

Das Gericht wird bei der Einschätzung von Atkins' Geisteskraft seinen IQ bewerten müssen, aber auch andere Faktoren wie seine soziale Anpassungsfähigkeit (Schwierigkeiten, sich in eine Gruppe einzufügen; schulisches Versagen; Antriebsschwäche). Die Prozedur ist einzigartig und schwierig, sagt Joseph Migliozzi von Atkins' Anwaltsteam. "alles hängt von der Verteidigung ab. Es ist unsere Aufgabe nachzuweisen, dass unser Klient geistig zurückgeblieben ist. "

Rätselhaftes IQ-Wachstum

So werden sich im Juli Experten und Psychologen vor Gericht drängeln, um das Unerklärliche zu erklären: Wie kommt es, dass Atkins im Gefängnis seinen IQ steigern konnte? Und ist die Veränderung wirklich bedeutungsvoll? Der Psychologe Evan Nelson erklärt sich Atkins' rätselhaften IQ-Wachstum durch seinen juristischen Kampf: Der häufige Kontakt mit zahlreichen Anwälten habe ihn intellektuell angeregt. So habe er Akten gelesen und Schriftverkehr gehabt, versucht juristische Erklärungen zu verstehen und mit den Juristen diskutiert. Letztlich könnte es also der Versuch sein, sein Leben zu retten, der Atkins dem Tode näher bringt. (AFP)

(quelle:aol.de)
black_velvet
Was ich an der ganzen Sache nicht verstehe:

Wenn dieser Atkin nun ein bissel mehr Verstand hat, müßte er doch einfach darauf kommen beim IQ-Test lauter falsche Antworten zu geben.
So wär er doch aus dem Schneider!
uma-him
@ black_velvet

So einfach ist das nicht. Bei diesen IQ-Test werden unter anderem die Gehirnströme gemessen, da kann man dann nicht so ohne weiteres einfach falsche Antworten geben, oder irre ich mich da?
Lady Morgia
Ist es nicht genauso wie bei einer Tat im Vollrausch, also in geistiger Umnachtung? Dann käme es doch darauf an, in welchem Zustand sein "Geist" zum Zeitpunkt der Tat war : also weniger schlau. Dann dürfte er am Leben bleiben. Die Entwicklung finde ich eigentlich ganz positiv, obwohl 76 noch weit entfernt von schlau ist...
deklema
Ich meine auch. 76 ist ja nun nicht wirklich hoch. Ich finde es nur wieder typisch von den Amis solche irren Grenzen zu setzen. Bis dahin bist du "dumm" und ab diesem Wert bist du "normal"...