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Realität: Individuell, universal, real?

Bear
Klar, wir alle sehen die Realität um uns herum, leben in ihr, oder meinen es, tun es. Nehmen alles oft einfach als selbstverständlich und / oder gegeben hin.

Aber was ist Realität? Wenn man es genau betrachtet, gibt es sowas wie eine allgemeine Realität? Oder ist sie vielleicht eher etwas anderes für jeden? Ist sie statisch und feststehend, oder flexibel und variabel?

Alleine wenn sich zwei Menschen ein Bild ansehen. Sehen sie wirklich exakt das gleiche Bild, oder vielleicht doch nicht? Wenn beide das Bild aus verschiedenen Winkeln sehen, oder aber vielleicht die Farbwahrnehmung etwas variiert... Was ist dann? Ist das Bild das derjenige mit kräftigerem Blau sieht realer, als derjenige ders mit schwächerem Blau sieht? Heißt es vielleicht, dass es für beide real ist, nur halt anders? Dies würde eine Betrachtung der Realität als etwas individuelles stützen, denn für jeden von beiden ist das Bild genau auf die Art real wie er es wahrnimmt. Viielleicht hat der Künstler es auch ganz anders gesehen? Ein weiterer Punkt, der eine solche Theorie stützt wäre die persönliche Wahrnehmung seiner eigenen selbst. Für den einen ist eine Person ein Idiot, für den anderen ein guter Freund, die Person selber sieht sich dann auch noch mal anders. Jedes mal geht es um eine Person, die selbe Person und doch ist sie in der individuellen Realität einer jeden Person anders. Können zwei Menschen überhaupt etwas auf die gleiche Art wahrnehmen?

Natürlich stützt sich eine solche Ansicht von Realität gänzlich auf die äußere Wahrnehmung, Empfindungen und das Denken. Aber wie sonst definiert sich die Realität einer einzelnen Person? Ist die Realität einer Person nicht die Gesamtheit des Denkens, der Empfindungen und der Wahrnehmung eben jenes Individuums? Kann es unter solchen Umständen überhaupt soetwas wie eine unterliegende "wahre Realität" geben? Wenn es sie gibt, so wird es einem Menschen kaum möglich sein sie je zu erblicken, denn wer vermag es schon aus seiner Haut zu schlüpfen, mit anderen Augen als den eigenen zu sehen, mit anderen Ohren zu hören als den eigenen, oder gar andere Gefühle als die eigenen zu empfinden? Wenn also eine solche Realität nivht wahrnehmbar ist für den einzelnen Menschen ist, da dieser sich nicht aus sich selber herauslösen kann um eine solche zu sehen, kann es diese Realität dann überhaupt geben?

Realität... Etwas feststehendes, was statisch ist für jede einzelne Person und sich niemals ändern wird, oder ist sie flexibel und dynamisch, vielleicht sogar so dynamisch, dass wir keine zwei Tage die gleiche Realität wahrnehmen?
Betrachten wir diesen Punkt näher. Einige werden sicherlich sagen "Klar ist die Realität feststehend. Die Welt verändert sich nicht von heute auf Morgen" was im großen und ganzen wohl auch richtig sein mag. Doch betrachten wir das ganze in einem kleinerem Rahmen. Dass die Gesetzmäßigkeiten, der kleinste gemeinsame Nenner unserer Wahrnehmung, sich nicht ändern mögen stimmt wohl. Doch was ist mit uns und unserer Wahrnehmung? Oben habe ich die These aufgestellt, dass Realität die Summe unserer Wahrnehmungen und Empfindungen ist, von dieser ausgehen kann man weiterhin sagen, dass Realität sich sehr dynamisch verhält. Nehmen wir ein ganz einfaches Beispiel. Als kleines Kind ist unser Lebensraum riesig, zumindest für uns und unsere Realität, Fahrten in andere Stadtteile sind eine lange Reise, fast wie in eine andere Stadt, doch kaum ist man älter bemerkt man, dass der Berg den man erklommen hat nur ein Hügel ist, der andere Stadtteil direkt nebenan liegt und bald gelten längere Reisen als normal. Doch auch in unserem heutigem Alltag kann man sowas feststellen. Jemand der depressiv ist mag sich als einen Verlierer sehen, sich wertlos halten, für ihn ist dies real und einige Jahre später wird er ein ganz anderes Bild von sich haben, wenn er die Depression überwunden hat. Noch einfacher... Einen Tag empfinden wir einen regnerischen Tag als gemütlich, eine Gelegenheit sich zuhause einzumummeln und einen Film zu schauen, doch ein paar Tage später wird man bei dem gleichem Wetter fluchen und sich Sonne wünschen, oder man wird melancholisch. Ist das eine für die Person weniger real als das andere, auch wenn es um die gleiche Sache geht? Kann man das wirklich einfach als Fehleinschätzung oder Irrtum abtun? Ich glaube spätestens beim Wetter geht dies nicht mehr.

Unter den Umständen dieser Betrachtung wäre Realität etwas individuelles (persönliche Wahrnehmung formt Realität) und dynamisches (Wahrnehmung verändert sich), doch ob es soetwas wie eine unterliegende Basisrealität gibt nicht feststellbar.

Hiermit endet dann meine kleine Abhandlung, Diskussionsgrundlage, Denkanregung oder wie auch immer ihr es nennen wollt (falls ihr bis hierhin gelesen habt *g*)

Bear
Messiah
Hmm... dann will ich mal...

Am besten, ich beginne mit den Worten Konrad Adenauers:
"Wir leben zwar alle unter dem gleichen Himmel,
aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont."


Zum einen gibt es sicherlich die statische Realität wie zum Beispiel unsere Erde. Dass diese existiert wird wohl niemand abstreiten wollen - somit ist sie also "real". Und diese Realität unterliegt gewissen Naturgesetzen. Wenn ich beispielsweise einen Stein aufhebe und ihn dann loslasse, wird er aufgrund der Schwerkraft wieder zu Boden fallen. Auch das wird niemand bestreiten wollen - somit sind auch diese Gesetze "real".

Die andere Realität ist die, die wir wahrnehmen. Und hier sind unsere Wahrnehmungen nur Modelle des Wahrgenommenen. Es ist ein Irrtum, zu behaupten, der menschliche Sinn sei das Mass der Dinge - tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall! Der menschliche Verstand gleicht ja einem Spiegel, der die strahlenden Dinge nicht aus ebener Fläche zurückwirft, sondern seine Natur mit der der Dinge vermischt.
Beispiel: Man schaut auf einen Gegenstand (z.B. einen Baum), schaut ihn sich gut an, und schliesst dann für ein paar Sekunden die Augen. Man versucht, sich genau vorzustellen, was man aufgrund dieser Anschauung erwartet, bevor man die Augen wieder aufmacht. Das Resultat: Wenn ich die Augen wieder aufmache, sehen die Dinge doch etwas anders aus, als ich erwartet habe...
Dasselbe gilt auch für alle anderen Sinne, wie z.B. dem Tast- oder Geruchssinn. Dabei muss die Wahrnehmung nicht unbedingt von aussen kommen - man denke beispielsweise an Erinnerungen, Träume oder den Schmerz bei einer Verletzung. Jede Wahrnehmung ist also auch ein "Gefühl". Die Erinnerung an ein Gefühl ist sowohl Modell des ursprünglichen Ereignisses als auch ein neues, eigenständiges Gefühl.

Jedes Individuum nimmt solche Gefühle anders auf und verarbeitet diese anders. Somit wird also jeder Mensch zum Gott seiner eigenen Realität!

Soviel zu meiner Sichtweise...


Greetz,
Messiah