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Dreamwhile - Die schwarze Community



ein schwarzes leben in der dunkelheit

Still.Unholy
Wenn die Sonne untergeht, beginnt für Alexander das Leben: "Erst wenn Otto-Normal-Verbraucher im Bett liegen, hast Du das Gefühl Die Welt gehört Dir." Wer ihm gegenüber steht zweifelt am Legendencharakter Draculas und hofft, doch noch ein Stückchen Knoblauch in der Tasche zu finden.

Seine spitzen Fingernägel sind kohlrabenschwarz lackiert und für Männerhände eigentlich viel zu lang. Wenn Alexander ( Name von der Redaktion geändert), 23 Jahre, seine Kontaktlinsen einsetzt, befürchtet seine Mutter das die Krallen seine Augen verletzen könnten. Alexanders Gesicht ist totenbleich geschminkt, die dunklen Augen mit schwarzem Kajal umrandet. Alexander ist Gruftie.

Erst wenn es dunkel wird, geht er auf die Strasse. Dann kann er es kaum erwarten, seine eigene Welt zu verlassen, die er sich auf 20 Quadratmeter im Haus seiner Mutter geschaffen hat. Ein Schattenreich ohne Zimmerpflanzen, in dem es nach Weihrauch riecht. An den dunkelvioletten Wänden hat Alexander schweren schwatzen Samt kunstvoll drapiert. Davon abgesehen sieht Alexanders Zimmer aber wie bei vielen jungen Menschen aus: dunkle Holzmöbel, ein Filmplakat von Brandon Lee aus "The Crow", im CD Ständer die klassischen Gothic-Alben von "Bauhaus", "The Cure" und "Sisters Of Mercy". Mitten im Zimmer steht ein Futon-Bett. "Das Grufties angeblich in Särgen schlafen ist ein gängiges Vorurteil", sagt Alexander. Eines von vielen, wie sich in dieser langen Donnerstagnacht herausstellen wird.

Alexander formt seine schulterlange, pechschwarzen Haare, denen er vor zwei Jahren einen Irokesenschnitt verpasst hat, mit viel Haargel zu Stacheln - für die Gothicszene, wie Grufties offiziell bezeichnet werden, eine untypische Frisur. Beim Styling orientieren sie sich stark an den schönheitsidealen der Romantik, einer Epoche, in welcher so glauben sie auf Teufel komm raus - Menschen und Welt noch im Einklang waren.

Neben Alexanders Spiegel steht ein Bücherregal. Darin eingepfercht: grundlegende Fragen eines menschlichen Seins - Nietzsche, Hesse, Dostojewski, Baudelaire. Dazwischen Horrorgeschichten. Pflichtlektüre der Gothic-Szene. Ihr Interesse gilt den "dunklen Seiten" des Lebens: den tiefen Abgründen der menschlichen Seele und den geheimnisvollen Mächten. "Wir demonstrieren, dass nicht alles im Leben schön und gut ist", versucht Alexander die Gothic-Philosophie zu erklären. Diese Philosophie findet vorallem in der schwarzen Kleidung ihren Ausdruck. Der Stil der Grufties hat sich seit ihren Anfängen am Ende der 70er Jahre kaum verändert. Damals als die Punk-Szene im Begriff war unterzugehen, stellten einige aus der Szene fest, dass sie wenig Interesse an Politik haben, ein edleres Outfit dem Straßen-Schmuddel-Look vorziehen und gern über den Sinn des Lebens meditieren - und wurden zu Grufties.

Schwarz heisst nicht depressiv

Alexander ärgert sich schwarz, wenn Außenstehende in die Nachdenklichkeit der Grufties Melancholie oder Depression hinein interpretieren: "Wir können auch unheimlich lustig sein. Und feiern und lachen gern."

Alexander verabschiedet sich von seiner Mutter, die gerade ins Bett gehen will. Mit ihr kommt er gut aus. "Ich toleriere, wie Alexander lebt", sagt sie. Bis es so weit war, waren aber unzählige Gespräche zwischen Mutter und Sohn nötig. Nicht alle Grufties haben so viel Glück, viele werden zum schwazen Schaf der Familie. Ob sich Alexanders Mutter manchmal einen Sohn wünscht der kein Make-Up dafür aber Jeans trägt und nicht dann erwacht, wenn sie zu Bett geht? Sie zuckt nur mit den Schultern. Auf dem Weg zum Jugendzentrum, wo sich jeden Donnerstag die etwa 20-köpfige Gothic Szene der Gegend trifft, begegnen dem Gruftie nur wenige Menschen. Nur einer dreht sich nach der schwarzen Seele um. In dieser Nacht beschimpft ihn niemand wie sonst häufig, als "Satan" oder "Schwuchtel". Es beginnt zu nieseln und Alexander greift immer wieder besorgt nach den Dornen. Er erzählt, wie manche Passanten sogar die Strassenseite wechseln. "Leider glauben viele, dass alle Grufties Satanisten sind und schwaze Messen feiern", bedauert er. Wenn sich einige wenige Gruftiesalas Satanisten bezeichnen, dann verfolgen sie meist andere Ziele: "Sie wollen sich wie schon Luzifer niemanden unterwerfen. Mit Satansverehrung hat das nichts zu tun."

Die Faszination des Todes

Als der Regen stärker wird, hat Alexander das Jugendzentrum erreicht. In der Cafeteria bestellt er einen Kaffee. Die Bedienung: "Schwarz?" Alexander lächelt nur. Was sonst? Im Keller der Jugendzentrums tanzen Grufties zu disharmischen Gitarrenklängen und einsenharten Rhytmen. Aus dem Lautsprecher gröhlt eine Stimme: "Gott ist tot". Sechsmal hintereinander. Ob es wohl in der Hölle Musik gibt? Wenn ja dann klingt die so.

Die Auseinandersetzung mit dem Tod gehört so zur Gothic dazu. Alexander fasziniert am Tod vor allem eines: "Er ist die einzige Gewissheit, die man im Leben hat." Eines Tages will er keine Angst mehr vor ihm haben. Am liebsten denkt Alexander auf dem Friedhof nach. Nachts, wenn die Pforten verschlossen sind. Dann klettert er über die Mauern. Friedhöfe haben Alexander schon als Kind interessiert. Als er lesen lernte, begann er die Grabsteine zu studieren: "Jeder erzählt eine Geschichte." Alexander war zwölf als sein Vater an Krebs starb. Seit dem erzählt ein Grabstein seine Geschichte. Der Tod hat aber nichts mit seiner Gruftie-Karriere zu tun.

Um zwei Uhr morgens kehrt er wieder zurück in sein kleines Schattenreich. In fünf Stunden wird die Sonne aufgehen. Alexander wird dann an seinem Schreibtisch sitzen und seinen Job als Industriekaufmann machen. Ohne Schminke, die Haare zu einem Zopf gebunden. Nur die Piercings dürfen bleiben. Da ist sein Chef tolerant, weil Alxander keinen Kundenkontakt hat. Gut dass die Firma auch schwarze Hemden herstellt. Davon kriegt er immer ein paar gratis.

(aus der schwäbischen Zeitung)
LadyFortuna
Ist mir irgendwie ein bisschen zu schubladenmäßig...nur weil der das so macht...aber naja
Still.Unholy
deshalb hab ich den artikel mal abgeschrieben.
das erste mal als ich den artikel bei uns in der zeitung gelesen hab, musst ich voll lachen.
Messiah
Jo, is ja auch zum Lachen...
Naja, wenigstens kriegt er schwarze Hemden gratis...
Elaine St. Louis
Ich finde es irgendwie fast schon empörend - es ist, als würden die Leute uns wie eine "Abrasse" (wenn ich das so sagen darf) ansehen und es auch so der breiten Masse vermitteln wollen.
Aber sollen sie doch denken was sie wollen...
FriendlyFire
Ganz klar: Schublade auf, alle unangepassten rrein, Schublade zu!
Viiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeel zu einfach! Aber der Artikel reizt wirklich zum lachen!
Scully
Für einen Zeitungsartikel über die schwarze Szene ist es gut gelungen, ohne Schubladen-denken, wie ich finde. Der Autor ist mit Objektivität herangegangen...und mit ein wenig Pepp !
LadyFortuna
Sie hätten das anders machen müssen.


Das ist der Alexander. Der Alexander ist zwar ein Mann, aber er schminkt sich trotzdem. Klingt komisch, ist aber so....
FriendlyFire

Nun ja, ob es nicht mal eine Löwenzahn - Sendung über Goth geben könnte!
Still.Unholy
ich glaub die bravo hatte mal n story die in die richtung ging
Azrael
Du hast recht Unholy, die gabs mal

Also, ich find den obigen Text zwar etwas Klischeehaft, aber lachhaft.. naja... ich find sowas ein bisschen Traurig.. aber is ja immer so... jedoch musste ich bei manchen Abschnitten schon schmunzeln
nightBit
Auch mir ringt der Artikel ein Schmunzeln ab, aber ich hab' schon ganz andere Dinge gelesen. Dagegen ist dieser hier doch gut gelungen. Der Artikel ist mit dezentem Zynismus versehen - sowas mag ich