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Warum eine Polizeibeamtin aus Furcht vor dem Teufel tötete

nightBit
Zitat:
Ungehörte Hilferufe
Warum eine Polizeibeamtin aus Furcht vor dem Teufel tötete

Bonn (ddp-nrw). Nein, der Teufel sollte ihren Sohn nicht bekommen. «Du gewinnst nicht! Mutterliebe ist stärker als das Böse», dachte Sandra K., als sie am 10. Oktober 2002 in der Euskirchener Herz-Jesu Kirche die Hände um den Hals der Hausfrau Liesgerte T. legte und zudrückte.

Dauerhafte Einweisung in eine geschlossene Psychiatrie
Seit gestern muss sich die 36-jährige Polizeibeamtin wegen Totschlags vor dem Bonner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft will Sandra K. auf Dauer in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht wissen. Sie fürchtet, dass die Angeklagte aufgrund ihrer psychischen Erkrankung weiter eine Gefahr ist.

In einem halbstündigen Monolog schilderte Sandra K. vor Gericht die Ereignisse vor dem Verbrechen, mit der Gelassenheit eines Menschen, der viel über seine Tat nachdenken konnte. Nur wenn das Gespräch auf ihren Sohn kommt, ringt sie mit den Tränen.

Die 36-Jährige ist eine schmächtige Frau mit kurzen, aschblonden Haaren. Gewiss ist Sandra K. einmal hübsch gewesen, doch heute haben die Narben und Verbrennungen einer Krebs-Therapie in ihrem Gesicht tiefe Spuren hinterlassen. Mit der Erkrankung an Schilddrüsenkrebs begann ein Weg, der die alleinerziehende Mutter nun vor das Bonner Landgericht führt. Schon nach der Geburt ihres Kindes leidet sie an Depressionen und schweren Erschöpfungszuständen; Beschwerden, die während der Krebstherapie noch zunehmen. Sie fängt an, Stimmen zu hören, wird gequält vor Angst um ihren Sohn.

Geplante Rettung der Menschheit
Mehrfach sucht sie in den Tagen vor der Tat erfolglos ärztliche Hilfe, weil sie sich vor Panikattacken und den «Stimmen» fürchtet. Schließlich wird sie in ein Euskirchener Krankenhaus aufgenommen, wo die Situation jedoch eskaliert. Sie hört Stimmen, die ihr einreden, ihr Sohn solle von Satansjüngern dem Teufel geopfert werden. Ein Kruzifix im Krankenzimmer ist ihr ein Zeichen Gottes, ihren Sohn und die Menschheit zu retten.

Sie flieht aus dem Krankenhaus, wendet sich an Passanten, fleht sie an, mit ihr das «Vater Unser» zu beten. Schließlich läuft sie in die Herz-Jesu-Kirche. Dort wirft sie Gebetbücher in das Weihwasserbecken, um sie vor dem Satan zu retten. In ihren Visionen sieht sie ihren Sohn auf dem Opfertisch der Satanisten.

Schließlich betritt Liesgerte T. die ansonsten leere Kirche. Sandra K. vermutet in der dunkel gekleideten 48-Jährigen eine Abgesandte des Teufels - und die Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten. Sie ringt die Frau nieder und setzt sich auf sie, schließlich macht sie das, was sie gelernt hat: Sie wendet den Polizeigriff «Richard» an, bei dem gleichzeitig beide Halsschlagadern des Opfers abgedrückt werden. Augenblicke später ist Liesgerte T. tot.

Als die Angeklagte schildert, wie sie die Tote anschließend mit Weihwasser wäscht und ihr auch Weihwasser einflösst, um sie von dem Bösen zu reinigen, beginnen die Angehörigen des Opfers im Zuschauerraum zu zittern.

Kontakt mit den Zeugen Jehovas
Sandra K. wird noch in der Kirche festgenommen. Seitdem ist sie in der Rheinischen Landesklinik untergebracht. Was den religiösen Wahn der ansonsten nicht besonders gläubigen Frau verursacht hat, lässt sich nicht mehr eindeutig rekonstruieren. Vielleicht war es das Wiedersehen mit einer alten Bekannten, wenige Tage vor der Tat. Die Frau hatte sich den Zeugen Jehovas zugewandt, einer Glaubensrichtung, in der auch der Teufel seinen festen Platz hat.

Sandra K. hat heute anscheinend den Krebs besiegt. Zweimal in der Woche darf ihr heute dreijähriger Sohn sie in der Landesklinik besuchen. Im Polizeidienst ist sie offiziell immer noch. Vor dem Bonner Landgericht wird heute das Urteil gegen eine 36-jährige Polizeibeamtin erwartet.

12.10.2004 Ster


Was sagt man dazu...
Scully
Wie, "was sagt man dazu ?" Schlimm, dass die Frau anscheinend nicht genug Hilfe bekommen hat ! Traurig für das Kind.....aber auch traurig für die Frau, die so schwer erkrankt ist, dass es zu so einer Tat kam !
LadyFortuna
Wow! Das ist heftig. Und echt krass. Merkwürdig, schon wieder taucht der Teufel auf, genau wie in dem Drama mit dem Samurai Schwert vorgestern. Die Frau hat aus Angst und in ihrer Krankheit gehandelt, und es ist schlimm, dass ihr nicht geholfen werden konnte. Das arme Opfer hatte praktisch keine Chance.
nightBit
Zitat:
Original von Scully
Wie, "was sagt man dazu ?" Schlimm, dass die Frau anscheinend nicht genug Hilfe bekommen hat ! Traurig für das Kind.....aber auch traurig für die Frau, die so schwer erkrankt ist, dass es zu so einer Tat kam !

Na das meinte ich doch. Stell' Dir vor, Du weisst, dass Du etwas anrichten wirst, was Du nicht möchtest und niemand glaubt Dir...
Broli@666
man sollte da auch den ärzten einen kleinen vorwurf machen, da die die situation mal wieder völlig fehl eingeschätzt haben...sowas passiert eben bei massenabfertigung im krankenhaus...ist echt schlimm sowas heutzutage.hoffentlich bekommt die frau nun anständige betreuung und hoffentlich kommt der sohn, der am meisten unter dieser situation leiden wird, damit klar und hoffentlich kann er ein halbwegs normales leben aufbauen...zu wünschen ist es ihm...
Sentenced
dem kann man sich wohl nur anschließen....
aber mal angenommen man muesse in diesem fall mal ursachenforschung betreiben?... ich wuesste nicht wie man da anfangen sollte und wo man hinkommen würde...
echt hart was so passiert -.-
Scully
btw : ...und Jeder von uns könnte auch einmal erkranken!!!
Messiah
Weia! Mal wieder ne heftige Geschichte...

Aber mal ehrlich: Wie würdet ihr reagieren, wenn euch jemand auf offener Strasse anfällt, und euch anfleht, mit ihr das "Vater Unser" zu beten?
Scully
ich würde vielleicht mitbeten, um das Vertrauen zu gewinnen, und dann versuchen mit der Frau zu einem Arzt zu gehen, der sie dann in die Psychiatrie einweisen kann. Auf jeden Fall würde ich mit der Person reden und nicht kopfschüttelnd weiterlaufen.



Ich weiß, dass ich das so machen würde, da ich schon einmal in einer Situation war, wo ein Mann mit seinem Fahrrad in den Graben gefahren ist, und alle an ihm vorbeigefahren sind, da sie dachten, er wäre sturzbetrunken. Später stellte sich dann heraus, dass der Mann unter starken Kreislaufproblemen und Durchblutungsstörungen im Gehirn litt, und deshalb so "benommen" war. Aber "leider" war ich auch schon zweimal Ersthelferin bei schweren Autounfällen. Und auch dort fuhren viele Menschen einfach so vorbei.... Ich kann diese Ellenbogenmentalität nicht nachvollziehen !
Sentenced
ich weiß nicht... ich glaube nicht dass ich reagieren würde...

aber was anderes.... was haben denn die Zeugen Jehovas da schonwieder verloren?... verstehe nicht, wie man das mit denen in zusammenhang bringen kann.... "bei ihnen hat der teufel einen festen platz" ??? das is mir aber neu...
komisch komisch...
naja was solls.... bleibt zu hoffen, dass es der frau irgendwann besser geht... und vorallem das kind irgendwie zurechtkommt...
Elaine St. Louis
@Scully: Die Menschen heutzutage haben Angst in fremde Probleme verwickelt zu werden, weil sie, wie sie meinen, selbst genügend haben, denke ich. Bloß nicht auffallen, bloß sich nicht mit rein verwickeln...

Ich weiß nicht, ich muss zugeben, dass ich mir nicht gleich Sorgen machen würde, wenn jemand mich auf der Straße anfiele und das Vater Unser beten wollte. Wobei ich mir nach dieser Geschichte hier wohl doch ein paar Gedanken machen würde.
nightBit
Wenn jemand auf mich zukommt und mich bittet, mit ihm das VaterUnser zu beten, wäre ich stark abgeneigt. Hätte derjenige sein Problem geschildert, wäre es vielleicht was anderes. Aber auch dann wüsste ich nicht, was ich täte. Würde ich allen Menschen, die mir seltsam vorkommen, versuchen, zu helfen, hätte ich kaum Zeit zum Essen. Versteht mich nicht falsch, aber das hier ist ein Extremfall. Ich glaube kaum, dass irgend jemand hier 'richtig' reagiert hätte...
FriendlyFire
Also mein Beileid haben sowohl der Sohn, als auch die Frau, als auch die Getötete!
Es ist wirklich ein Ärztefehler, wenn man eine so offensichtlich psychisch labile und kranke Frau aus einem Krankenhaus entkommen lässt! Sie konnte wahrscheinlich nichts für ihre Tat. Ich hoffe, dass dieser Frau noch geholfen werden kann. Sie muss für den mord bestraft werden, dass ist klar, aber auf eine Weise, die ihr hilft, also durch eine sinnvolle Therapie! Ich fürchte jedoch, wenn die Therapie anschlägt und die Frau zu einem "klaren" Bewußtsein zurück findet, wird die Strafe umso grausamer sein, weil sie sich dann des Mordes erst wirklich bewußt wird und mit ihren Schuldgefühlen leben muss!
LadyFortuna
Ja, so wirds wahrscheinlich sein.

Ich würde wenn jemand mich bitten würde, mit ihm das Vater Unser zu beten, vielleicht nicht richtig reagieren. Ich wäre erstmal überrumpelt. Wenn sie dann anfangen würde zu beten, würde ich vielleicht aus gefälligkeit, (oder einfach weil ich nicht weiß, was ich sonst tun sollte) mitmurmeln. Wenn sie nicht einfach anfangen würde, würde ich fragen wieso ich das tun sollte. Aber es hängt auch ganz davon ab, wie hyterisch sie wäre, während si mich darum bittet.
FriendlyFire
Jep! ich denke man kann persönlich schwer die Grenze ziehen, zwischen religiöser Überzeugung und solch eines psychischen Erkrankung! Also den Leuten mache ich keinen Vorwurd. Bei den Ärzten und Schwestern im Krankenhaus sieht das schon anders aus! Aber auch diese sind häuffig leider unterbesetzt und völlig überlastet!
Broli@666
man sollte vielleicht auch zwischen ersthelfern bei einem unfall unterscheiden (weil, dass ist ne pflicht in meinen augen und diese pflicht habe auch ich schon durchgemacht...) und zum anderen die situation, wo jemand die bittet das vater unser zu beten...die zeugen jehovas wollen das auch jeden tag von allem was kreucht und fleucht, aber ich kann die nicht jeden tag inne klapse bringen...es gibt solch religiöse "Vanatiker" die wollen einfach alles bekehren...von daher glaube ich nicht, dass ich den erst der lage, durch die aufforderung des betens hätt erkennen können...die zeugen J´s bringen ja, glaube ich, auch nicht jeden tag wen um...um es mal krass zu formulieren...
LadyFortuna
Mich hat aber auch noch keiner gebeten, das Vater unser mit ihm zu beten
FriendlyFire
Also wer denkt sich denn auch schon was dabei, wenn man von einem fremden zum beten aufgefordert wird! Also ich würde eher an einen religiösen fanatiker denken, als an eine psychische Krankheit!
LadyFortuna
Ja, das wäre in der Tat auch wahrscheinlicher. Ich würde schon davon ausgehen, aber vielleicht trotzdem leise mitbeten, ich brech mir dabei nichts ab, und wenn ich ihr eine Freude mache. Wenn sie aber völlig hysterisch und in Angst aufgelöst zu mir kommen würde, würd ich auf keinen Fall einfach weitergehen.
Ob ich allerdings mitbeten würde, oder nachfragen würde, was los ist, kann ich erst dann sicher sagen, wenn diese Situation eintreffen wird, was aber eher unwahrscheinlich ist.
FriendlyFire
*Daumen hoch*
Kann meiner Vorrednerin nur vorbehaltlos zustimmen!